Sonntag, 28. April 2013

Meilenweit nur Bier in Sicht

Gestern rief die "Biannually Spring Beer-Mile" zur Teilnahme. Ich hatte mich nicht wenig mental auf dieses Event vorbereitet, welches in unserer Austausch-Studenten-Gruppe als DAS Frühlings-Highlight angekündigt worden war. Tatsächlich bestätigte sich hier das leidige Phänomen eines jeden Sauf-Fest-Organisators, wie ich es auch schon im Sommer bei der Organisation des Schlachtensee-Laufes festgestellt hatte: Zuvor hatten sich zig Teilnehmer angekündigt, am Ende waren vielleicht 20 am Start, die Zuschauermenge überragte die Teilnehmeranzahl deutlich.

Worum ging es? Insgesamt war eine Meile, also 1,6 km zu rennen und dabei die 'sagenhafte' Menge von 1,32l Bier zu vernichten. Soweit gar nicht mal so schlimm. Vielleicht war die Verteilung die Haupthürde: Eine Bierdose, 400m; eine weitere Bierdose, wieder 400m u.s.w.

Klar, das durfte ich mir nicht entgehen lassen, endlich die Schmach des letzten Kastenlaufes zu tilgen. Also wurde seit dem Frühstück sämtliche weitere Flüssigkeits- oder Nahrungszufuhr eingestellt. Was gar nicht mal so einfach war, vor dem Rennen hatte Läufer Nummer 432 bereits einen Mordsdurst aufgebaut, als er auf der Läuferbahn des Sportplatzes mit den Hufen scharrte.
Das Rennen selbst? Eine Katastrophe. Fühlte sich an wie eine Vergewaltigung durch einen ausgewachsenen, gut genährten Zoo-Elefanten. Das erste Bierchen ging noch gut rein, doch schon während der ersten Runde wusste ich, dass ich das Rennen niemals gegen die echten S-/Läufer gewinnen kann. Das zweite wurde reingeqält. Beim Rennen der zweiten Runde befürchtete ich bereits, mit einem Spontan-Papst eine Strafrunde zu kassieren, doch glücklicherweise war das ganze nur ein erschreckend riesiger Rülps. Beim dritten Bier trennte sich schließlich die Spreu vom Weizen. Die ersten gaben auf, die trainierten gingen in Führung und eine weibliche Teilnehmerin aus Kanada erbrach in ihren Mund, bekam aber keine Strafrunde, weil sie den Papst sogleich wieder an seinen Ursprungsort zurückbeförderte (Tapfer, das gelingt mir nur dicht auf der Tanzfläche). Ich fiel stark zurück, konnte das Bier aber schließlich austrinken und machte im Rennen wieder Boden gut. Beim Überholen eines Teilnehmers hatte der einen leichten Sprühpapst, der jedoch aufgrund des geringen Ausmaßes für die Schiedsrichter am Start nicht sichtbar war und daher ungeahndet blieb. Fast hätte das bei mir eine Kettenreaktion ausgelöst. Ich beschwerte mich bei ihm, mit meinem Magen ringend und zog davon. Das vierte und letzte Bier vor der letzten Runde. Der Sieger, Organisator des Rennens und Ire, war meines Erachtes schon im Ziel. Die, die nicht aufgegeben hatten und nicht zur trainierten Fraktion gehörten, hatten sich hier in der Saufzone versammelt, um mit ihrem Körper zu kämpfen. Gegen den Schweinehund, aufzuhören, gegen die Vernunft, sofort eine Bratwurst zu essen und gegen den Bauch, der alles wieder rausdrücken wollte. Als schließlich die beste Frau im Feld ihr letztes Bier austrank und für die letzte Runde ansetzte, wusste ich, dass ich das nicht einfach geschehen lassen konnte. Saufen ist Kopfsache. Die soziale Demütigung fürchtend, angefeuert von der johlenden Tribüne, vollführte ich einen klassischen Bierjungen wie in alten Tagen und setzte zur Aufholjagd an. Nach 200m hatte ich das Mädel eingeholt. Statt eines großen Showdowns zum Schluss konnte ich die letzten Meter ins Ziel gehen. Noch auf der Ziellinie beendete mein Magen die bis dato fruchtbare Zusammenarbeit und begann, das Wettkampfgetränk wieder auszuwerfen. Es war mir diesmal nicht möglich, den Papst in einen Rülpser zu verwandeln. Doch konnte ich glücklicherweise sofort den Fluss stoppen, so dass es für die meisten wie ein etwas größeres Spuken ausgesehen haben muss.
Ich habe noch nie soviele Leute würgen sehen. 12:56 Minuten, 4x0,33l Bier 5,2% und 4x400m später war mein Magen eine klaffende Wunde. Erst zwanzig Minuten danach begann der Alkohol das gerade Geschehene in Wohlgefallen auzulösen. Nun konnte der Abend beginnen.
Die verrückten am Start: Sie ahnten nicht, was kommt.

Donnerstag, 11. April 2013

Mein zweites Standbein


Das Berufsbild des Physikers kränkelt an entscheidender Stelle: dem Sex-Appeal. Einem Weib auf einem gesellschaftlichen Anlass zu offenbaren, man betreibe die akademische Disziplin der Physik, löst im Allgemeinen Befremden aus und sorgt zuverlässig für eine abruptes Eintreten einer Gesprächspause. Diese lässt sich selbstverständlich optimal nutzen, um sich kurz einen weiteren Drink zu mixen, eine Kippe anzuzünden, sich flink auf die Suche nach herzhaften Essensresten zu machen, zu schauen ob die Toilette immer noch belagert ist, oder auch schlicht um zu testen, wie gut die weibliche Konversationspartnerinn geübt ist, einem derartigen Gesprächstöter entgegenzutreten.
Ist sie dies nicht und tritt unangenehmes Schweigen auf, ist es an einem selbst das Gespräch wieder neu zu entfachen. Unter Umständen ist die Flamme des Dialoges auch nie richtig entbrannt, gegeben man gab seinen Hintergrund bereits bei den entscheidenden ersten Sätzen preis. In diesem Fall ist nichts mehr zu retten und man sucht am Besten einen Artgenossen mit gleichem Nerdlevel auf, um ein wenig über die Konsequenzen einer möglichen Anomalie des allgemeinen Gravitationsgesetzes für Schwerpunktsabstände der beteiligten Massekörper in einer Größenordnung klein gegenüber der Plancklänge zu streiten. Dies lässt den entstandenen Frust am Ende der kurzen Interaktion mit der andersgeschlechtlichen Person (meist niedrigerer Nerdstufe) schnell vergessen, führt aber auf lange Sicht eben nicht zum beabsichtigten Erfolg.
Konnte man es zumindest für einige Zeit verbergen, aus welchem Gewerbe man stammt und ist die Diskussion erst im späteren Verlauf ins Stocken geraten, ist die Lage besser aber immer noch heikel, denn es gilt nun erst einmal den Sand aus dem Getriebe zu putzen. Dies stellt sich allerdings meist mühsam dar und erfordert unnötig Kraft und umständliche Erläuterungen, aus denen klar wird, dass man zwar schon irgendwie Nerd aber eben kein durchgeknallter Geek ist und mit allgemeinen Hygienegrundlagen, einschließlich der Handhabung von Seife, Handtuch und Haarschampoo vertraut ist.
Auch ich habe hinsichtlich der geschilderten Problematik hinreichend Erfahrung gesammelt und über die Jahre mehr oder weniger effiziente Strategien entwickelt, die einen am Ende des Tages mehr schlecht als recht über den Berg, bzw. durch den Abend bringen. Natürlich bin ich auf Nachfrage bereit, meinen mühsam erworbenen Wissenschatz mit Nerds gleicher oder höherer Nerdstufe zu teilen. Die erfolgreiche Umsetzung ist jedoch immer noch risikobehaftet und unterliegt hohen statistischen Schwankungen. Auf der Suche nach einer universellen Methode bin ich bei meinen Studien zu dem Schluss gelangt, dass die einzige erfolgreiche Strategie mit globalem Anspruch, d.h. unabhängig von individueller Ausprägung des Nerdfaktors, der Aufbau eines zweites Standbeins ist.
Selbstredend ist Maschinenbau oder Informatik als zweites Standbein ungeeignet. Mit dem Attribut "geeignete" zu versehene Metiers sind: Tauchlehrer, Stuntman, Rockstar, Tenor (nicht Countertenor), DJ, Bankräuber, Berufsblogger (für literarische, philosophische Themen, auf keinen Fall naturwissenschaftlich), Guru, Survival-Experte, Kampfpilot, Nachrichtensprecher, CEO von Volkswagen (auf keinen Fall CEO der S-Bahn Berlin), Modedesigner (Vorsicht: wirkt eventuell schwul), Talkmaster (nicht Lenz, schwul), Diktator, Fernsehkoch (Vorsicht: auf keinen Fall Biolek), oder Skilehrer.
Ich persönlich habe mich für Letztes entschieden. Und ich beschloss, dass der Tiroler Skilehrerverband ein geeigneter Partner für mein Unternehmen wäre. Um es vorwegzunehmen: Leider haben die Tiroler Bergspasten die tiefere Absicht meiner Teilnahme an der Ausbildung durchschaut und sich prompt geweigert, mir die benötigte Lizenz auszuhändigen. Natürlich konnte ich vorher nicht ahnen, dass eine innige Naturverbundenheit, Menschenfreundlichhkeit (ungeachtet des Geschlechts, Haarfarbe oder Alters), Freude im Umgang mit Kindern, Hilfbereitschaft und Geduld neben mittelgrottigem Fahrkönnen ebenfalls gefordert waren.
In bester Absicht und guten Mutes begab ich mich also vor knapp zwei Wochen mit dem Zug von Zürich nach Zell am Ziller im Zillertal. Keine Ahnung, was man sich bei der Wahl des Ortes gedacht hat, aber die Entscheidung muss wohl von dem einzigen Tiroler Skilehrerausbildner getroffen worden sein, der Zeit seines Lebens nicht verstanden hat, dass Skifahren und übermäßiger Alkoholkonsum am Spätnachmittag eine innige Symbiose bilden, die unter dem Schlagwort Apres Ski bekannt ist. Was die besagte Beschäftigung anbetraf, hätte ich von der Stimmung am Ort her gesehen, zum Feiern und Grölen genauso gut den ausgeschiedenen Papst in seinem Nonnenkloster besuchen können. Bereits am ersten Abend drehte ich mit meinen WG Kameraden (zumindest die waren einigermaßen vernünftig) drei Runden durch den Ort nur um festzustellen, dass es neben einer einzigen offenen Bar nur noch "Tonis Stadl" gab, eine Absteige, in der die Dame an der Bar wohl die einzige Person war, die man ansprechen konnte, ohne sich krankhaft pädophil zu fühlen.
Im Laufe der Tage verbesserte sich die Situation zum Glück ein wenig. Zum einen wuchs unsere WG auf stolze zehn Personen, zum anderen entdeckten wir die "Alte Mühle", eine Tanzeinrichtung in der, übrigens dem Namen gerecht werdend, das Publikum nicht minderjährig war. Des Weiteren gesellten sich drei Anwärter aus Ischgl zu uns, denen ebenfalls nicht entgangen war, dass die Apres Ski Qualität in Zell am Ziller weit hinter Tiroler Standards zurückgeblieben war. Da die beiden Südtiroler aus der WG ("Django" und "Shred") verantwortlich für die Logistik des italienischen Rafting-Nationalteams waren und einen entsprechend geeignetes Gefährt besaßen, konnten wir unseren Aktionsradius beträchtlich erweitern und so schloss dieser nun auch die Nachbargemeinde mit ein, in der Gott sei Dank mehr los war.
Die Skilehrerausbildung bestand im Prinzip darin, zehn Tage lang Pflug zu fahren, was in erster Linie für die Skilehreranwärter von Vorteil war, die noch nicht Skifahren konnten. Die Ausbildner hielten sich durch den konsequenten und kollektiven Genuss von Snus (schwedisch: Snüs) bei Laune. Einige auch damit, Erkundigungen darüber einzuholen, wer ihnen denn den besten Deal für Gras machen könnte. Vom Ausbildungsprogramm her, ließen sich also keine Einwände finden, die allabendlichen Ausflüge ins Nachbardorf nicht noch ein wenig zu vertiefen.
Da ich Informationen erhielt, dass alsbald der bereits allgemein als Dumpfbacke bekannte "Justin" zu uns ins Haus, konkret zu mir ins Zimmer, ziehen sollte, war ich gezwungen noch schnell im Keller ein Bett aufzubauen. "Justin" hatte sich kurz vor Beginn des Lehrgangs bei einer kleinen Meinungsverschiedenheit den Arm verknickst, und war aus dem Krankenhaus getürmt, bevor man seinen Arm gipsen konnte. Der Junge war auf jeden Fall im Kopf genauso hohl, wie sein Arm geschwollen und blau, was sich auch nochmal dadurch bestätigte, dass er gleich am ersten Abend das Waschbecken mit Kotze verstopfte, obwohl die Toilette keinen halben Meter daneben stand.
Die Südtiroler machten sich mittlerweile durch ihre ausgezeichneten Kochkünste bemerkbar. Die weiblichen Mitbewohnerinnen waren ebenfalls gut drauf und pflegeleicht. Eine von ihnen fing dann auch gleich ein Verhältnis mit einem Ausbildner an, der zufällig im Partynachbardorf wohnte. Dieser erfreute sich zwar an ihrer nächtlichen Gesellschaft, musste aber mit dem Umstand leben, dass seine Fiancee ihn immer dann verließ, wenn die besoffene Meute wieder nach Hause gefahren werden wollte.
Am Tag der absolvierten Theorieprüfung (die natürlich begossen werden wollte), und zugleich ein Tag vor der praktischen Prüfung, startete dann (im Nachbardorf) das "Snowbombing", zu dem haufenweise Engländer in bester Partylaune eingeschifft wurden. Man durfte sich also in guter Gesellschaft wähnen.
Natürlich ist übermäßiger Alkoholkonsum auch nicht im entferntesten eine akzeptable Entschuldigung für motorisches Versagen am folgenden Tag. Nach der praktischen Prüfung und am Ende des Lehrgangs hatte ich aber zumindest eine Lektion gelernt, die mir bei meiner weiteren Karriere auf meinem zweiten Standbein noch von großer Wichtigkeit sein wird: "Unterschätze nie den Pflug!"

Montag, 1. April 2013

Lagebericht Schweiz


Auch bei den Schweizer Bierpreisen gab es bislang leider keine Entspannung. Neueste Prognosen erwarten zudem, dass der Preis in den nächsten Wochen sogar weiter anzieht. Experten haben beobachtet, dass der europäische Biermarkt in jüngster Zeit eine Nachfrageverschiebung hin zu den sonst nur mitteldurstigen, nordeuropäischen Ländern, insbesondere nach Schweden, erfahren hat. Durch die plötzliche Wanderung des Nachfrageschwerpunktes, ist in den südlichen Ländern ein Lieferengpass entstanden, der, wie spekuliert wird, noch bis Mitte Jahres anhalten wird. Obwohl ich mir auch in diesem Punkt zurechne, tiefere Einsichten in das Geschehen zu besitzten als von Fachkreisen soweit erfasst,  muss ich nichtsdestotrotz  mein Konsumverhalten an die neue Situation anpassen. Konkret werde ich mich nun öfter nach Berlin begeben, in der Hoffnung, dass dort auch in naher Zukunft noch volle oder zumindest halbvolle Fässer vorhanden sind. Auf Grund der neu entstandenen Bindung mit einer gewissen M.S. sehe ich mich in der erfreulichen Situation einen weiteren Grund zu haben, der mein gelegentliches Ausbuchsen aus dem Exil rechtfertigt.
Bei meinem letzten Kurzbesuch im Norden habe ich allerdings eine erschreckende Feststellung gemacht, die mir eindeutig zeigte, dass meine Aufenthaltsdauer in der Schweiz einen kritischen Wert erreicht hat. An dem gewissen Wochenende ernährte ich mich mal wieder ausschliesslich von einer wohlbekannten türkisch-deutschen Fast Food Spezialität. Ich war von dem Geschmack mal wieder so begeistert, dass mir noch jetzt die Hände zittern, wenn ich an den Moment der Nahrungsaufnahme denke. Erstaunlicherweise erlebte ich das überwältigende Gefühl an jedem aufgesuchten Schnell-Verpfegungsstand.
Doch kann es sein, dass wirklich alle Berliner Döner unfassbar gut schmecken? Kann es sein, dass es  keinen einzigen nur mittelleckeren Ausreisser gibt? Nein, natürlich nicht!! Ich musste zu dem Schluss kommen,  dass das statistisch unmöglich ist. Und da wurde mir klar, dass der kontinuirliche Verzehr von Züricher Döner mittlerweile vollständig meine Massstäbe verzehrt hat. Dabei hätte mann eigentlich bei Accelzio's ausführlichem Photoreport schon misstrausisch werden müssen. Zugegeben, es gab schon ein wages Gefühl, dass das Mitbringsel nicht wirklich gut schmeckt. An dieser Stelle nochmal grosses Lob für die wagemütige oder auch grob fahrlässige Verköstigung der überbrachten Ware. Eigentlich hatte ich erwartet, dass dieser Döner seine entgültige Bestimmung darin finden würde, dass man ihn fachgerecht mummifiziern und dem Museum für neuzeitliche Geschichte überreichen würde. Er gibt einen  eindrücklichen Beweis dafür ab, zu welch Grausamkeiten die menschliche Spezie auch heute noch in der Lage ist. Ich rege in Anbetracht der nun erfolgten Vertilgung an, schnellstmöglich einen Wachsnachbau für das Berliner Wachsfigurenkapinett anzufertigen und das Replikat entweder Hitler, Stalin oder Saddam Hussein ins Gebiss zu klemmen, um zu unterstreichen aus welchem Holz die besagten Personen geschnitzt sind. Selbstverständlich will ich mit diesem Vorschlag keine missverstándlichen Gemeinsamkeiten zwischen Accelzio und den besagten Protagonistn der Weltgeschichte andeuten. Ich selber verstehe seine Tat vielmehr als heroische Aufopferung für die Wissenschaft, und dass ihm selber nichts anderes vorschwab, belegt die gewissenhafte Dokumentation, die ein drastischen jedoch nicht ganz überraschendes Fazit bezüglich des Geschmackserlebnisses abgibt.
Die Quintessenz ist also, dass Geschmack regelmäßig nachgeeicht werden muss. Und zwar sowohl nach oben als auch nach unten. Denn nichts ist so tötlich wie die Gewohnheit an ein vorherrschendes Qualitätsniveau.

Sonntag, 31. März 2013

Außenposten Skandinavien

Ben* beglückte uns vor einigen Tagen an dieser Stelle mit einer kurzen Einschätzung zu Land und Leuten des fünften Kontinentes. Da seine Übersicht alle wichtigen Facetten abdeckte, die bei Reisen in fremden Ländern eine Rolle spielen, fühlte ich mich sofort inspiriert, diese genannten Punkte auch mal für Skandinavien zu beharken. Weil Außenposten Schweiz und Reichshauptquartier Berlin nach wie vor schweigen, hier nach sorgfältiger Beobachtung einen kleinen Vorgeschmack für alle Nordlandreisenden.

Wetter:
Die Wetterlage steht hier wie überall in Europa derzeit Kopf. Es ist mit Temperaturen um die Null Grad zwar kältemäßig in der Norm, aber seit ich hier bin fast ununterbrochener Sonnenschein ist weder normal noch habe ich es verdient. Das Verschwinden des Eises wünscht nicht nur ihr euch in Mitteleuropa.

Geld:
Dass die schwedische Krone eine behinderte kleine Micker-Währung ist, wissen wir alle. Gilt genauso für Norwegen und Dänemark. Nur die Finnen sind mit dem Euro dem Club der Sieger beigetreten....naja, vielleicht trifft es Sieger nicht ganz. Behindert ist die Krone trotzdem.
Leider ist hier -wie gesagt- alles schweineteuer. Erst wenn man mal ins Nachbarland Norwegen reist, fängt man an, dass Preisniveau in Schweden zu akzeptieren und nicht permanent mit Deutschland zu vergleichen. Was die da nämlich nebenan veranstalten, ist nur ab-nor-wegig. Volkssport Containern. Oder eben nach Schweden zum Einkaufen reisen. Das muss man sich erstmal vorstellen, Kaufrausch in einem Land, wo ein Sechser "Wasser mit Biergeschmack" fünf Euro kostet.

Leute:
Auch die Skandinavier sind ein sehr freundliches Volk. Zudem sprechen sie (zu meinem Bedauern allerdings) fast alle Englisch auf hohem Niveau. Allerdings helfen sie selten ungefragt, es sei denn sie sind dicht. Gegenüber der Reserviertheit hier oben, erscheint der Durchschnittsdeutsche bisweilen sogar temperamentvoll.

Tierwelt:
Angeblich kann man in Uppsala durchaus mal Elche antreffen. Bisweilen bin ich in freier Wildbahn allerdings eher diesen großen blonden Rehen begegnet, die meine Jagdinstinkte aufs hellste erglühen lassen, wo mir dann durchaus mal die Büchse aus der Hand fällt, wenn ein brunftiges Stück unvorhergesehen auftaucht.

"Jetzt kommen wir zu den wirklich wichtigen Angelegenheiten..."

Bier:
Für die schwedische Regierung sind Biertrinker Kleinkriminelle, die dringend im Zaum gehalten werden müssen. Ihr Handeln wird in gewissem Rahmen toleriert, weil man ihnen nicht anders beikommt, sofern sie abgeschirmt vom Rest der Gesellschaft bleiben. Ich werde dazu nochmal einen extra Beirtag bringen, weil dies selbstverständlich für mich ein großes Problem darstellt. Einziger Ausweg: Der Weg in die Illegalität....

Rauchwaren:
Hier haben die Schweden genauso wie die Ausis jedes Maß verloren. Raucher werden fast so schlecht wie Säufer behandelt. Rauchen kann man hier eigentlich nur noch im Wald (ist aber mit Sicherheit auch verboten) oder in stillen Kellerräumen. Kürzlich las ich einen schwedischen Artikel, in dem man bedauerte, im Kampf gegen den Rauch mittlerweile hinter die Brüder aus Norwegen und Island zurückgefallen zu sein. Die Antwort darauf ist ein diskutiertes TOTALES Rauchverbot in ca. fünf Jahren. Möge dieser Tag nie kommen.

Eine kleine Absonderlichkeit leisten sich die Nordmenschen dennoch im Punkto Nikotin: Die EU gestattet den Skandinaviern nach wie vor, etwaiger Nikotinabhängigkeit mittels "Snus", einer Art Lutschtabak, zu frönen. Es handelt sich um kleine, leicht minzig schmeckende Kissen aus einem teebeutelartigem Material, die man für einige Zeit unter die Oberlippe klemmt. Mich machen sie lediglich schwindelig, aber hier sind sie nicht wenig verbreitet. Eine bemerkenswerte, für umstehende sehr angenehme, weil geruchslose Methode, die durchaus auch für unser Land eine große Bereicherung wäre.

Mode:
ist hier echt spitzenmäßig. Die Schweden kleiden sich allesamt schick, auch wenn H&M da auf jeden Fall nicht unbeteiligt dran ist. Nur ist leider, vielleicht aber auch der Kälte wegen, der Trend zur weiblichen Hose wie allerorten sehr zu kritisieren. Dass die Mode hier die Menschen, allenvoran die Damen, noch schöner aussehen lässt als ohnehin schon, habe ich schon mehrfach erwähnt. Es ist beides: Wunderbar, kann aber auch sehr deprimierend sein. Und schon jetzt weiß ich, wenn der Sommer erstmal kommt, dann werde ich wohl blickdichte Sonnenbrillen brauchen.

Verkehr:
Die behinderten Spastis fuhren hier einmal auf der falschen Seite. Dank Europa tun sie das seit einigen Jahrzehnten nicht mehr. Obwohl ich hier noch nicht Auto gefahren bin, kann ich sagen, dass der schwedische Autoverkehr bei mir keinerlei Angstzustände auslöst. Es gibt keine Autobahn, die meisten Straßen sind immerzu menschenleer und die Schweden fahren sehr entspannt und gesittet. Dass hier Betrunkene überfahren werden, ist daher nahezu ausgeschlossen, dass sie im Gefängnis landen, dagegen um einiges wahrscheinlicher. In Uppsala fahren sowieso alle Fahrrad, hier herrschen fast holländische Verhältnisse.


Kriminalität:
Fahrraddiebstahl ist der einizige Diebstahl, der hier zu befürchten ist. Die Fahrradklaumafia schlägt sogar bei Schrotträdern zu. Das Geschäft mit Hehlerware scheint zu florieren, weil die Drahtesel bei den Buspreisen hier notwendig sind.
Bierklau wird hier nur von zugezogenen, verzweifelten Deutschen praktiziert. Ich bin mir sicher, ihr habt vollstes Verständnis dafür, denn diese Menschen sind in Not und sehr durstig.
Ansonsten kan man sein Handy auf die Straße legen, es wird morgen noch da sein. Allenfalls das Fahrrad da neben könnte eben verschwunden sein.

Sprache:
Schwedisch ist als nordgermanische Sprache dem Deutschen, Hollandisch/Niederdeutschen und dem Englischem (Allesamt westgermanische Sprachen) recht ähnlich. Daher ist es nicht so schwer. Wie gesagt, man braucht es eigentlich eh nicht. Das ist zwar angenehm, aber macht mir das Lernen nicht leichter. Ich finde, dass die schwedische Gesellschaft viel zu anglisiert ist. Interviews im Radio auf Englisch werden nicht mehr übersetzt. Überall findet man englische Ausdrücke (Es gibt allerdings durchaus auch einige geläufige Deutsche), Englisch ist unangefochten Lingua Franca in allen Universitätsgebäuden, lediglich wenn Schweden unter sich sind, bevorzugen sie ihre Muttersprache. Die Menschen in Skandinavien müssen meiner Ansicht nach aufpassen, dass aus ihrer Weltläufigkeit und Fortschrittlichkeit nicht eines Tages ein Identitätsverlust wird.

Tja, soweit zur Lage vom Land am Ostseestrand. Man würde sich freuen, von den anderen Posten auch mal wieder was zu hören, ansonsten verbleibe ich mit einem herzlichen "Hej då!" und wünsche allensamt frohe Ostern!

Freitag, 22. März 2013

Der Geist und die Belgierin

Was den Aufenthalt für mich in Schweden besonders speziell macht, ist die Tatsache, dass ich das erste Mal seit der 11. Klasse lange Zeit an einem Ort bin, an dem ich zuvor niemanden kannte. Sicher, ich war mal fast einen Monat im Urlaub, aber stets mit wechselnder, altbekannter Gesellschaft. So kommt es hier durchaus mal vor, dass ich einen Tag lang höchstens auf dem Koridor einen stummen, ängstlichen Schweden sichte, der mit seiner frisch zubereiteten Tiefkühl-Pizza in seiner Kemenate verschwindet, ehe ich es schaffe, mit ihm eine holprige schwedische Konversation zu beginnen. Klar, bei soviel Abstinenz meines in Berlin ja doch recht umfangreichen Bekanntenkreises bleiben gewisse Wahnvorstellungen da nicht aus.

Nun ist es nicht so, dass ich es nicht irgendwie mal genießen würde, mehr Zeit für mich selber zu haben. Sei es der Blog, meine bekannte Wikipedia-Sucht und mein derzeit sehr ehrgeiziges Schwedisch-Vokabeln-Lernprojekt.

Aber vor kurzem gab es da eine Sache, die mich in gewisse Unruhe versetzte. Auf meinem Korridor wohnt eine weitere Deutsche. Sie spricht Schwedisch und Englisch mittlerweile fließend sowie natürlich Deutsch. Sie ist sehr offen, wenngleich viel zu dick für mich, aber wir reden oft miteinander, weil sie sich gut auszukennen scheint. Außerdem beginnt sie sofort die Konversation mit mir, wenn sich mich trifft. Und da ist das Problem: Sie trifft mich oft, aber nur wenn kein anderer dabei ist. Zunächst wäre das nicht besonders der Rede wert gewesen. Doch mit der Zeit fiel mir auf, dass ich sie nur sah, wenn kein anderer im Raum war. Bevor andere in die Küche kamen, hatte sie sich gerade verabschiedet. Oder umgekehrt. Die anderen, mit manchen von ihnen trinke ich beizeiten mal ein wässriges 2,8%-Pils, erwähnen sie mit keinem Wort. Erzähle ich von ihr, geht keiner darauf näher ein. Es ist, als sei sie nur für mich existent. Wie ein guter, Deutscher Geist (Sie redet immer nur Deutsch mit mir), den in meiner Schizophrenie natürlich nur ich sehen kann. Während ich den Gedanken anfangs nur als Zufall abtat, fing ich mit der Zeit an mir zu zweifeln an und mich in den Gedanken zu vertiefen, nur ich könne sie sehen. So oft ich sie oder andere traf, blieb nämlich das Spielchen gleich. "A Beautiful Mind" - aber leider ohne Meisterhirn meinerseits.
Auf zwei Korridorpartys bei uns war sie auch schon nicht zugegen gewesen. Als ich von einer weiteren Party auswärts heim kam und sie da mit zwei weiteren Leuten, die ich noch nie gesehen hatte, in unserem Flur feierte, war die Sache klar: Ich halluziniere, jetzt auch noch im Zustand der Trunkenheit -jener oft eines meiner klarsten- und mein Geist hat seine Geisterfreunde eingeladen. Wenn die drei anfangen, jetzt noch aufzutauchen, wenn ich alleine im Fahrradkeller stehe, dann ticke ich aus.
*
Ich hatte oftmals ja bereits schon erwähnt, dass die Frauen in Schweden ziemliche Raketen sind, 1/3 würden nicht nur bei ZuBu die weißen T-Shirts gefährden. Nun habe ich, der skandinavischen Reserviertheit geschuldet, zunächst von dem Projekt "Eine Studentin aus Upsalalalalala" ein wenig Abstand genommen, bis (die Frage ist ob) ich der nordischen Sprache etwas mächtiger bin. Glücklicherweise ist unsere Austauschschülergruppe ein bunter Haufen, der auch ohne Schwedisch-Kenntnisse verspricht, einen immer mit Party und kennenlernfreudigen Menschen zu versorgen. So begab es sich auf einer kleinen Feier, dass eine junge betrunkene Belgierin die Werte ihres Nachbarlandes mal etwas näher kennenlernen und diese auf Herz und Nieren prüfen wollte. Sie war derart angetan von der für sie neuentdeckten Deutschen Kultur, dass die europäische Völkerfreundschaft auch nüchtern weiter fortzelebriert werden sollte.

Als ich, erschöpft vom intensiven kulturellen Austausch, am nächsten Tag in die Küche kam, um mir den inzwischen obligatorisch gewordenen gewürzten Tomatensaft mit Pfeffer reinzuziehen, saß da mein Geist. Doch er war nicht allein. Er sprach mit meinen Mitbewohnern. Erst da realisierte ich: Ich bin nicht schizophren. Ich bin einfach nur bescheuert.

Freitag, 15. März 2013

Aussenposten Australien

Der Ben's Blog Aussenposten Australien hat hier einige Erkenntnisse und Erfahrungen zusammengetragen:

Wetter:
Auch die Australier sind überrascht im Spätsommer über 2 Wochen lang Temperaturen über 30 Grad ertragen zu müssen (in unserem Fall trifft es "dürfen" jedoch deutlich besser). Bis auf einen geröteten Nacken meinerseits, haben wir mit einem nie enden wollenden Eincreme-Marathon das Schlimmste verhindern können. Wir sind Braun und glücklich. Nur sobald wir die Stadtgrenze von Sydney überschreiten fängt es unmittelbar zu schütten an.

Geld:
Australien ist ein reiches Land geworden. Das Durchschnittseinkommen und somit auch die Lebenserhaltungskosten sind in den letzten 8 Jahren deutlich gestiegen. Das Geld schwindet hier schneller als die vornehme Bleiche der angereisten Europäer. Siehe insbesondere Kapitel Bier und Rauchwaren...

Leute:
Es ist bemerkenswert wie hilfsbereit und freundlich die Leute hier sind. Man muss eigentlich nur daran denken den Touristenführer aus dem Rucksack zu holen, da kommen sogleich diverse Einheimische an und überschütten einen mit mehr oder weniger hilfreichen Tipps und Lebensweisheiten.

Land:
Die Südküste besteht aus wunderschönen Gegensätzen. Von den traumhaften Steilklippen und Stränden sind es meist nur 5 km (manchmal sogar nur 100 m) bis in den richtig tiefen Regenwald.

Tierwelt:
Wir sind in freier Wildbahn bereits Kängurus, Koalas, Papageien, Giftschlangen (1,5 m), Wasserechsen (>1 m), Wombats (bisher nur tote Exemplare) und Mantarochen (riesig) begegnet.
Hier erlebt man in dieser Hinsicht so einiges.

Jetzt kommen wir zu den wirklich wichtigen Angelegenheiten...

Bier:
Ist hier sauteuer! Es ist traurig, aber mittlerweile befinden sich 3/4 der hier Mitwirkenden in Länder, wo Alkohol zu einem echten Luxusgut geworden ist. Fonsie darf nicht zu laut heulen, denn der verdient ja auch Schotter ohne Ende, aber für Axel und mich ist Mitleid angesagt! Mann muss in einem Pub zwischen 8 und 10 AUSD (1€ = 0,75 AUSD) für ein halben Liter beschissenes Bier hinblättern (15€/ltr.). Im Bottleshop (im Supermarkt gibt es gar kein Alk.) sieht es nur geringfügig besser aus, eine 0,375 ltr. Flasche schlägt mit 3,5 AUSD zu Buche (7,5€/ltr.). Zum Glück haben wir inzwischen herausgefunden, dass es einen erheblichen Mengenrabatt gibt. So ist es möglich einen 24er Pack 0,375er Flaschen für 44 AUSD zu erstehen (3,75€/ltr.). Wir mussten erstaunt feststellen, dass ein australischer Wein, den man auch in Deutschland kennt, hier das doppelte kostet wie daheim und das obwohl er um die halbe Welt geschifft werden muss. Verrückte Welt!

Rauchwaren:
Hier haben die Aussies (in diesem Fall Assis) jedes Maß verloren. Ich bin übderzeugt, dass der oben bereits erwähnte Zuwachs des Bruttoinnlandsproduktes vor allem durch die Nicht-Rauchen-Schilder-Industrie vorangetrieben wurde. Nicht nur, dass man selbst draußen nach Plätzen suchen muss, an denen gesmökert werden darf, auch die Strafen bei Mißachtung der unzähligen Verbotsschilder sind pervers. Es kann bis zu 10.000 AUSD kosten! Das ist übrigens erheblich mehr als wenn man mit mehr als 1,6 Promille Auto fährt. Auf den Packungen sind krepierende Menschen abgebildet und die Marke darf nur noch in Schriftgröße 12 unscheinbar vermerkt werden. Der Spaß kostet 17 AUSD pro Packung. Die spinnen die Australier!

Mode:
Kurz ist hier bei der Damenwelt Trumpf. Oftmals in der Kombimation kurzer Rock und tiefer Ausschnitt. Gerade in Strandnähe, wo ein regelrechter Körperkultur herrscht, sehr ansehnlich. Unser Freund Fiffi würde hier den Mund selten geschlossen haben und die weißen T-Shirts hätten deutlich sichtbare Sabberspuren ;-). Leider ist ähnlich wie in England ein schlanker Körperbau kein erforderliches Kriterium für Mini-Mini-Mini Kleidchen. Australien ist inzwischen das dickste Land der Erde (ja die Amerikaner wurden abgehängt) und gerade im Innland sieht man so manche weibliche Wampe, die man lieber nicht gesehen hätte.

Verkehr:
Die behinderten Spastis fahren hier auf der falschen Seite (danke England). Am Anfang ist dies sehr ungewohnt und es gab einige ungewollte Ausflüge auf den rechten Seitenstifen, aber nach knapp 2000 km mit unserem Mietwagen hatten wir es dann doch ganz gut raus. Die Australier fahren trotz unzähliger Blitzer, Kontrollen und Strafen die etwa 3 mal so hoch wie in Deutschland sind ziemlich beschissen. Zu schnell, zu dicht und unvorhersehbar.
Des Weiteren scheint hier auch in anderen Verkehrsbereichen einiges los zu sein. Die Pubs sind regelrechte Singlebörsen und man sieht so manchen Surferboy mit einer kaum bekleideten Schönheit von dannen ziehen. Very Nice!

Wir haben jetzt noch  5 Tage Sydney (wahrscheinlich im Regen) vor uns und machen uns dann auf den Weg gen Philippinen.

Australien meldet sich ab. Berlin und Zürich was gibt es Neues?

Mittwoch, 13. März 2013

Es geht los - Mein Start in Schweden

Nach merkwürdig langer Funkstille im Blog ist es wohl mal wieder Zeit, einen Statusbericht abzugeben. Da sich alle Beitragenden derzeit an verschiedenen Orten unserer wunderbaren Erde befinden, wäre es durchaus angebracht, dass jeder einmal kurz die Lage in seinem derzeiten Land schildern würde.

Hier im Norden ist es derzeit genauso kalt wie in Preußen. Nur haben wir hier wenigestens auch gutes Wetter dazu. Das bedeutet, es ist Zeit für lange Winterspaziergänge, heißen Tee vorm wärmenden Kaminfeuer und Pferdekutschenfahrten über zugefrorene Seen....

Von wegen. Trotz Sonne gehe ich nur raus, wenn ich muss. Der "Winterspaziergang" ist der Weg zur Uni in Ermangelung eines Fahrrades und weil man sich derzeit sowieso überall auf die Nase packen würde. Hinzu kommt, dass Busfahren hier wie alles ziemlich ins Geld gehen. Statt Tee saufe ich hier meist 3,5%iges Bier, kaminwarm wenn man so will, was immer noch schweineteuer ist, aber immerhin im Supermarkt erhältlich. Kater bleiben leider trotzdem nicht aus. So entschied ich mich heute "spontan" nach einem Partyabend gestern, meine statischtischen Auswertungen am Programm eViews, die eigentlich schon seit zwei Tagen abzugeben sind, erst morgen fortzusetzen.
Insgesamt nervt die Uni hier ziemlich. Welcher Vollhorst glaubt eigentlich wirklich, Erasmus-Studenten wollten irgendwo in echt studieren? Jedenfalls störe ich mich maßlos daran, dass ich tatsächlich in die Uni muss ("Armer, armer Axel!") und es hier nicht so wie in Berlin ist, dass man Prüfungsleistungen bis zum Ende des Semester aufschieben kann. Strenggenommen müsste ich in Ökonometrie heute meine zweite Hausarbeit abgeben, um zur Klausur in zwei Wochen zugelassen zu werden. Will ich das überhaupt? Nein! Ich will Schwedisch lernen, Party machen und das Land sehen. Mehr nicht. Fuck off, Uni!