Wie versprochen werde ich hier von Reiseerfahrungen, für Außenstehende unlustigen Ankdoten und meist sinnfreiem, neu angeeignetem Wissen berichten. Das dieser erste Reisebericht zugleich den 200. Post in diesem Blog markiert soll dabei nicht unerwähnt bleiben. Well done!
Also zu Kanada lässt sich generell sagen, dass die Leute wirklich überaus freundlich sind, dass überall relativ unberührte Natur zu finden ist und es hier nicht wirklich viel allgemeine Themen gibt, worüber man sich als geübter reisender Deutscher aufregen könnte.
Kommen wir also ohne Umwege zu dem speziellen Thema nach welchem die Leser hier gieren. Dem Rausch. Hier zeigt sich ein stark nach Rauschmittel differenziertes Bild. So ist der medizinische Gebrauch von Cannabis erlaubt, man muss jedoch vorher einen Arzt aufsuchen und sich dazu beraten lassen. Ein Stoner, der wahrscheinlich einfach zu faul war dies zu tun, hat jedoch vor dem höchsten Kanadischen Gericht erklagt, dass man bei der Anmeldung in einer Abgabestelle von medizinischem Kannabis den Namen des Arztes, bei welchem man sich hat braten lassen, nicht nennen muss. Da auch keine schriftliche Bescheinigung vom Arzt vorgezeigt werden muss, bedeutet dies also Gras für Alle! Wie schön. Gleich am ersten Tag gingen wir also bei der "CannaClinic" vorbei, wo mein Bruder mit den Worten: "Hey Bro, how can I help you today?" begrüßt wurde. Da Fabi und seine Freunde ja ganz gerne mal einen smökern (in Kanada wird übrigens nur pur geraucht), hatte dies zur Folge, dass ich ungefähr die Hälfte meiner Aufenthalszeit in Kananda stoned war. (Hierbei handelt es sich nichteinmal um eine Übertreibung aus dramurgischen Gründen.) Good times! Mit anderen berauschenden Urlaubsfreuden sieht es dagegen etwas anders aus. Rauchen darf man eigentlich niergends, noch nicht einmal auf dem eigenen Ballkon (!) und alkoholische Getränke gibt es erst ab 19 und dann auch nur in einem speziellen Liquor Store und zu unverschämten Preisen. Zum Glück hatte Fabi die Stadt ja schon vier Monate erkundet und kannte somit für jeden Abend der Woche die beste Kneipe um sich abzuschießen. Ein besonderes Highlight stellte hierbei die "Canbies Bar", die jeden Dienstag ein großes Bierpong-Turnier ausrichtet, dar. Ohne es zu wissen, war ich bereits vor meiner Ankunft in einem deutsch-türkischen Team nahmens "Hells Angels" (wtf ?) angemeldet. Nicht ohne stolz kann ich berichten, dass wir dieses Turnier mit dem zweiten Platz (und nur einem Becher Rückstand im Finale) beenden konnten. Da hierbei 16 Teams antreten und es einige semi-professionelle Spieler gibt war das eine Leistung die Fabi in den 14 (!) vorherigen Teilnahmen nur einmal gelungen war.
Generell muss ich sagen, dass mein Bruder hier dem Familiennamen alle Ehre gemacht hat. Sein Party-Penthouse war unter diversen Sprachschulen bekannt und in vier Monaten sind immerhin fünf Abbmahnungen wegen ausufernder Partys ausgesprochen worden. Da diese aber einfach ignoriert wurden und die Schule die Jungs nicht rauswerfen wollte, hat das Haus jetzt einen eigenen Sicherheitsmann am Eingang bekommen. Auch sonst hat er das ganze ordentlich durchgezogen. Allein in den acht Tagen, die ich dort war, hat er zwei verschiedene Mädels klargemacht. Chapeau!
Nun geht es weiter nach Hawaii, wo der Fokus vermutlich etwas mehr auf Strand, Sonne und Tauchen statt Party liegen wird. Ich bin gespannt.
Freitag, 21. Oktober 2016
Sonntag, 18. September 2016
Samstag, 20. August 2016
Mittwoch, 17. August 2016
Wahl-O-Mat
Es ist mal wieder Wahlkampf. Die Plakate mit Menschen, die man nur alle paar Jahre zu genau dieser Zeit zu Gesicht bekommt hängen in den Straßen und in den Medien werden wieder verbale Endgleisungen und Stilblüten der um ihre Arbeitsstellen ringenden Elite unserer Stadt thematisiert.
Wer noch nicht entschieden ist, wem er am 18.9.2016 seine Stimme geben möchte, kann dabei auf die Empfehlungen des bewährten Online-Tests Wahl-O-Mat zurückgreifen. Obwohl ich für gewöhnlich keine Entscheidungsschwierigkeiten zu besitzen pflege, habe ich das getan - und sei es nur aus reiner Belustigung. Ohne dass man damit Rückschlüsse auf meine Wahlentscheidung treffen könnte, hier meine Ergebnisse, damit ihr wisst, wie man mich einschätzen könnte:
Nun ja, damit hatte ich nicht gerechnet, dass ich eine so hohe Übereinstimmung mit einer Partei für "nachhaltige Erneuerung" haben könnte, von der ich bis heute nicht wusste, dass sie überhaupt existiert.
Ihr wusstet dagegen immer, dass ich zum Teil unpopuläre, unbequeme Meinungen mein Eigen nenne. Genauso beantwortete ich auch die zehn Fragen des Wahl-O-Maten. Gerade wenn ich rieche, dass die Frage geeignet ist, einfach nur dem Volk den Mund zu reden, vollblumig Wohltaten zu versprechen, die viel Geld kosten, aber nur mäßig Nutzen stiften.
Beispielhaft dazu die Frage zum bezirksübergreifenden Schulbesuch von Kindern und Jugendlichen, welcher theoretisch ein tolles Mittel sein könnte, die soziale Durchmischung zu fördern. Oder wäre es nicht eine Idee, wenn die nachwachsenden potentiellen Kleinkriminellen des Weddings sich mit den Gentrifizier-Kindern des Prenzlauer Bergs mischen würden, um die einen zu entschärfen und die anderen einen Tick cooler zu machen?
Das sahen die Parteien allerdings anders. Stimmenfang kann so einfach sein. "Keine Partei vertritt die[se] Position".
Naja, ich bin kein Politiker und will es eigentlich auch nicht werden. Viele Fragen unserer Zeit, unserer schönen Stadt sind viel zu komplex, um sie auf zehn Fragen oder die eine Frage, "Was kostet's?", zu reduzieren. Aber bei Wahlen muss man sich eben entscheiden. Mal sehen, wie ich mich entscheiden werde.
So, genug prokrastiniert für heute. Ab jetzt wird konzentriert am Fortkommen der Energiebranche weitergearbeitet!
Quellen: Tagesspiegel.de, Zugriff: 17.8.2016
Wer noch nicht entschieden ist, wem er am 18.9.2016 seine Stimme geben möchte, kann dabei auf die Empfehlungen des bewährten Online-Tests Wahl-O-Mat zurückgreifen. Obwohl ich für gewöhnlich keine Entscheidungsschwierigkeiten zu besitzen pflege, habe ich das getan - und sei es nur aus reiner Belustigung. Ohne dass man damit Rückschlüsse auf meine Wahlentscheidung treffen könnte, hier meine Ergebnisse, damit ihr wisst, wie man mich einschätzen könnte:
Nun ja, damit hatte ich nicht gerechnet, dass ich eine so hohe Übereinstimmung mit einer Partei für "nachhaltige Erneuerung" haben könnte, von der ich bis heute nicht wusste, dass sie überhaupt existiert.
Ihr wusstet dagegen immer, dass ich zum Teil unpopuläre, unbequeme Meinungen mein Eigen nenne. Genauso beantwortete ich auch die zehn Fragen des Wahl-O-Maten. Gerade wenn ich rieche, dass die Frage geeignet ist, einfach nur dem Volk den Mund zu reden, vollblumig Wohltaten zu versprechen, die viel Geld kosten, aber nur mäßig Nutzen stiften.
Beispielhaft dazu die Frage zum bezirksübergreifenden Schulbesuch von Kindern und Jugendlichen, welcher theoretisch ein tolles Mittel sein könnte, die soziale Durchmischung zu fördern. Oder wäre es nicht eine Idee, wenn die nachwachsenden potentiellen Kleinkriminellen des Weddings sich mit den Gentrifizier-Kindern des Prenzlauer Bergs mischen würden, um die einen zu entschärfen und die anderen einen Tick cooler zu machen?Das sahen die Parteien allerdings anders. Stimmenfang kann so einfach sein. "Keine Partei vertritt die[se] Position".
Naja, ich bin kein Politiker und will es eigentlich auch nicht werden. Viele Fragen unserer Zeit, unserer schönen Stadt sind viel zu komplex, um sie auf zehn Fragen oder die eine Frage, "Was kostet's?", zu reduzieren. Aber bei Wahlen muss man sich eben entscheiden. Mal sehen, wie ich mich entscheiden werde.
So, genug prokrastiniert für heute. Ab jetzt wird konzentriert am Fortkommen der Energiebranche weitergearbeitet!
Quellen: Tagesspiegel.de, Zugriff: 17.8.2016
Freitag, 5. August 2016
Veränderungen
Meine Ferien in Berlin neigen sich schon fast wieder dem Ende zu. Die Zeit vergeht immer so schnell. Fast kein Abend, den ich nicht damit zugebracht hätte, lange nicht mehr zu Gesicht bekommene Freunde einmal wiederzusehen und meine Leber zu martern. Trotzdem viel zu wenig Party, es blieb meistens bei Trunk und Speis, und durchwachsenes Wetter. Doch ich will mich nicht beklagen, Ferien sind Ferien. Einfach schön.
Ihr werdet nicht leugnen, dass Zeiten sich ändern. Eine Woche frei im Hochsommer, das hätte wohl früher bedeutet, gemeinsam tagelang am See abzuhängen. Dieser Tage, mal abegesehen vom erwähnten Wetter, scheiterte jenes alleine daran, dass die meisten tagsüber arbeiten müssen. Ich war kein einziges Mal am See.

Auch in unseren Bezirken ändert sich viel. Vor einigen Tagen entdeckte ich verwundert diese Baulücke im Straßenbild der Chausseestraße. Ja, richtig, dort stand einmal ein zweigeschossiger (Alt-)bau mit der berüchtigten Hafenbar. Wunderschöne Suffabende mit schlechter Musik. Geschichte.
Ich tippe mal darauf, dass dort luxuriöse Eigentumswohnungen in Investorenarchitektur entstehen werden, von denen wir jetzt schon wissen, dass sie die Gegend weiter veröden und in zehn Jahren als optisch abgeschmackt empfunden werden. So dreht sich das Rad der Zeit weiter.
Heute wäre so ein Tag gewesen, der in dieser besagten Hafenbar hätte enden können, Freitags war immer der Schlagerabend. Keine Sorge, auch so gibt es genügend Feiermöglichkeiten!
Ihr werdet nicht leugnen, dass Zeiten sich ändern. Eine Woche frei im Hochsommer, das hätte wohl früher bedeutet, gemeinsam tagelang am See abzuhängen. Dieser Tage, mal abegesehen vom erwähnten Wetter, scheiterte jenes alleine daran, dass die meisten tagsüber arbeiten müssen. Ich war kein einziges Mal am See.
Auch in unseren Bezirken ändert sich viel. Vor einigen Tagen entdeckte ich verwundert diese Baulücke im Straßenbild der Chausseestraße. Ja, richtig, dort stand einmal ein zweigeschossiger (Alt-)bau mit der berüchtigten Hafenbar. Wunderschöne Suffabende mit schlechter Musik. Geschichte.
Ich tippe mal darauf, dass dort luxuriöse Eigentumswohnungen in Investorenarchitektur entstehen werden, von denen wir jetzt schon wissen, dass sie die Gegend weiter veröden und in zehn Jahren als optisch abgeschmackt empfunden werden. So dreht sich das Rad der Zeit weiter.
Heute wäre so ein Tag gewesen, der in dieser besagten Hafenbar hätte enden können, Freitags war immer der Schlagerabend. Keine Sorge, auch so gibt es genügend Feiermöglichkeiten!
Freitag, 1. Juli 2016
Die beste Zeit des Jahres
Was ist für euch die beste Zeit des Jahres?
Die Ferien? Weihnachten und die Tage zwischen den Jahren? Oktoberfest oder Karneval? Für Berliner: Die Trias Maifest-Karneval der Kulturen-Fete de la musique? Die Fusion bzw. das Feel-Festival?
Auch wenn es strenggenommen nur alle zwei Jahre eintritt, die Antwort kann natürlich nur lauten: Die Zeit der EM/WM. Zum einen sind die Emotionen, die der Fußball auslöst doch immer wieder eine helle Freude. Fußball, wenn man mit dem Herzen dabei ist, ist wie Glücksspiel mit Geldeinsatz, nur dass man permanent das Gefühl hat, als könne man das Ergebnis beeinflussen, welches sich da langsam am Bildschirm vor einem bildet. Im Falle des Tippspiels kann ich dazu nur bemerken, dass mein Geldeinsatz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weg ist.
Zum anderen ist der Fußball in einem Land, das fußballerisch zu den besten der Welt gehört, natürlich auch einfach ein großes kollektives Ereignis. Fast jeder, der etwas zu den Spielen sagen kann, nie ist es auch auf der Arbeit leichter, mit Kollegen Gespräche zu führen. Autokorsos und Fanmeilen haben selbst unter Eindruck einer abstrakten Terrorgefahr definitiv ihren Reiz. Mit Freunden, wo auch immer, Fußball zu schauen, das ist wahrhaft immer ein Fest.
Hinzukommt, dass auch generell diese Zeit eine sehr reizvolle ist. Die Tage sind lang und hell wie das ganze Jahr nicht, die Temperatur selbst bei schlechtem Wetter stets angenehm, alles ist grün und dicht. Zwei ganze lange Sommermonate liegen noch vor uns. Ich habe noch viele Ferientage vor mir. Die richtig heißen Tage, ohne Kristallweißbier unerträglich, kommen noch.
Leider bringt diese Zeit auch immer mit sich, jedenfalls solange keine richtigen Ferien sind, das irre viel los ist. Ich bin seit drei Wochenenden immer unterwegs, auch das nächste werde ich unterwegs sein. jAm hat eine Hochschwangere zuhause, Ben* rockt die Fusion (zum Glück, denn nächstes Jahr soll sie ausfallen!) und ZuBu muss Geld ranschaffen. In einer Woche jedoch rocken wir wieder zusammen, zelebrieren den Sommer und unsere Überlegenheit. Hipp, Hipp, Hurra!
Die Ferien? Weihnachten und die Tage zwischen den Jahren? Oktoberfest oder Karneval? Für Berliner: Die Trias Maifest-Karneval der Kulturen-Fete de la musique? Die Fusion bzw. das Feel-Festival?
Auch wenn es strenggenommen nur alle zwei Jahre eintritt, die Antwort kann natürlich nur lauten: Die Zeit der EM/WM. Zum einen sind die Emotionen, die der Fußball auslöst doch immer wieder eine helle Freude. Fußball, wenn man mit dem Herzen dabei ist, ist wie Glücksspiel mit Geldeinsatz, nur dass man permanent das Gefühl hat, als könne man das Ergebnis beeinflussen, welches sich da langsam am Bildschirm vor einem bildet. Im Falle des Tippspiels kann ich dazu nur bemerken, dass mein Geldeinsatz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weg ist.
Zum anderen ist der Fußball in einem Land, das fußballerisch zu den besten der Welt gehört, natürlich auch einfach ein großes kollektives Ereignis. Fast jeder, der etwas zu den Spielen sagen kann, nie ist es auch auf der Arbeit leichter, mit Kollegen Gespräche zu führen. Autokorsos und Fanmeilen haben selbst unter Eindruck einer abstrakten Terrorgefahr definitiv ihren Reiz. Mit Freunden, wo auch immer, Fußball zu schauen, das ist wahrhaft immer ein Fest.
Hinzukommt, dass auch generell diese Zeit eine sehr reizvolle ist. Die Tage sind lang und hell wie das ganze Jahr nicht, die Temperatur selbst bei schlechtem Wetter stets angenehm, alles ist grün und dicht. Zwei ganze lange Sommermonate liegen noch vor uns. Ich habe noch viele Ferientage vor mir. Die richtig heißen Tage, ohne Kristallweißbier unerträglich, kommen noch.
Leider bringt diese Zeit auch immer mit sich, jedenfalls solange keine richtigen Ferien sind, das irre viel los ist. Ich bin seit drei Wochenenden immer unterwegs, auch das nächste werde ich unterwegs sein. jAm hat eine Hochschwangere zuhause, Ben* rockt die Fusion (zum Glück, denn nächstes Jahr soll sie ausfallen!) und ZuBu muss Geld ranschaffen. In einer Woche jedoch rocken wir wieder zusammen, zelebrieren den Sommer und unsere Überlegenheit. Hipp, Hipp, Hurra!
Freitag, 10. Juni 2016
Tinderella
Mittlerweile ist es einige Jahre her, dass ich eine
verhängnisvolle Wette schloss, körperlich und geistig ausgezehrt nach einer
anstrengenden Harzwanderung. Seinerzeit verpflichtete ich mich in einer Wernigeroder
Gaststätte, drei junge Fräulein bzw. Frauen -denn, dass sie unbedingt jung sein
müssten, hatte eigentlich keiner gesagt- zu treffen via Online-Kennenlernportalen,
wenn im Gegenzug Ben* das Gaydar bei sich auf dem Handy nutzen würden. Im Grunde
waren die Wettbedingungen gar nicht besonders definiert, es boten sich
Schlupflöcher zuhauf. Doch getreu der Juristerei, dass bei Vertragslücken immer
im Geiste des Vertrages zu entscheiden sei, will ich mal nicht so tun, als wäre
alles ungültig und vergessen.
Nun ist Online-Dating nicht so wirklich mein Ding. Klar,
habe ich schonmal mit unbekannten Mädels gechattet, da bin ich wohl nicht der
einzige hier, aber richtig Flamme gefangen habe ich dafür nie. Zu unpersönlich,
zu unreal, zu notgeil. Angemeldet hatte ich mich damals dann allerdings schon,
um der Wette gerecht zu werden. Ich war allerdings ziemlich wenig aktiv auf dem
Online-Portal, Parties sind eben spannender. Dort kann bzw. könnte man die
Mädels im Zweifel auch schneller küssen.
Danach war ich in Schweden und ab dann hätte ein online
verabredetes Date mit einem Fräulein ernsthafte Konsequenzen nach sich gezogen.
Somit schien die Wette hinfällig.
Die Ereignisse des letzten Herbstes änderten die Sachlage
wieder gewaltig. Zunächst dachte ich gar nicht mehr an die alte Wette, doch je
länger die unsägliche Situation andauerte, desto mehr musste ich über Alternativen
nachdenken. Zu Beginn des Jahres 2016 schließlich fasste ich mir ein Herz und
legte mir einen Online-Dating-Zugang zu.
Man muss dazu sagen, dass sich die Zeiten mittlerweile
geändert haben. War Kennenlernen im Netz um die Jahrtausendwende noch ein
sicheres Zeichen von moralischem Verfall und menschlichem Versagen, ist es inzwischen
sogar fast schon en vogue, seine Aktivität auf diesem Feld zu betonen. Großen
Anteil daran haben aber nicht nur Portale wie Elitepartner oder Parship, die
mittlerweile sogar Fernseh-Werbung schalten, sondern eine kleine, simple,
winzige App, die ein paar Amerikaner sagenhaft reich gemacht hat: Tinder.
Ich glaube, die Applikation ist mittlerweile derart bekannt,
dass ich mir eine Beschreibung jener sparen kann. Getreu dem Motto: "Ich
bin nicht auf Elitepartner, weil dort nur Singles mit Niveau sind",
meldete ich mich schließlich auch an.
Das Programm ist wirklich spitze und hat einen großen
Suchtfaktor. Wisch hier, wisch da, ständig neue Frauen, die in der Nähe sind.
Lustige Sprüche, schöne Urlaubsbilder, hübsche Gesichter. Es schien niemals so
einfach, Mädels kennenzulernen. Die Betonung liegt allerdings auf scheinen. Denn mit einem mehr
oder weniger ausgegorenen Profil musste ich schon bald feststellen, dass die
Matches ausblieben. Jene sind Grundvoraussetzung, um mit den schönen Geschöpfen
da draußen Kontakt aufnehmen zu dürfen. Die Beobachtungen in Kürze:
- Seit Jahresbeginn habe ich vielleicht 30 Matches gehabt. Geht man davon aus, dass nur die Hälfte der Damen auch auf meine netten Nachrichten antworten, macht das 15 Kontakte. Bei einer angenommenen Benutzung alle zwei Tage ist das eine katastrophale Quote.
- Komischerweise gab es kaum Matches in Berlin, wo doch dort viel mehr potentielle Partner leben als z.B. in Westfalen. In Berlin kann man sich zwar länger durch Tinder klicken als der Akku reicht, aber einen Match schien mir das auch nicht zu bescheren. Die meisten Matches hatte ich leider in Paderborn.
- Hübsche Mädchen schienen mich nie in Erwägung zu ziehen. Insgesamt würde ich von den 30 Matches vielleicht bei drei Fräuleins sagen, dass ich sie wirklich anziehend fand. Mit nur einer davon habe ich ein wenig geschrieben. Das es in allen drei Fällen nicht weiterging, lag wohlgemerkt bestimmt nicht an mir.
- Es gab ein einziges Treffen. Das war zwar echt nett, aber -ihr kennt die Geschichte- die Dame wollte verschärft mit mir Saufen. Ich hätte Lust gehabt, man weiß ja, was da so passieren kann, aber musste am nächsten Tag bei der Arbeit präsentieren. Nichts zu machen. Das wiederum fand sie blöd. Es sollte wohl nicht sein.
- Die Möglichkeit, bei Tinder einen kleinen Text "über mich" zu schreiben, ist zwar nett, aber vollkommen irrelevant. Ich habe es mit allem versucht: Gar kein Text, ehrliche Beschreibung, Ironie, witzige Sprüche ohne Inhalt oder einfach nur harte Fakten. Zieht alles nicht.
Mittlerweile bin ich soweit: Entweder der Algorithmus hat
sich gegen mich verschworen oder ich sehe einfach nicht gut genug für die
oberflächlichste App der Welt aus. Für ersteres spricht mein notwendiger Fake-Facebook-Account
mit nur einem Freund, das könnte auch Tinder verdächtig vorgekommen sein. Für zweites
der Besuch meines Vetters vor Kurzem. Während ich ihm mein Tinder-Leid klagte,
fuhr er bei jedem zweiten Wisch einen Match ein. Es war nicht zu fassen.
So oder so: Die App ist inzwischen einfach nur noch
frustrierend. Sie zeigt einem, was man alles anscheinend nicht haben kann. Ich
gebe ihr noch ein bisschen. Aber entschieden habe ich bereits: Mein Ding ist
Offline-Dating und Sprechen. Nicht bloß Selfies ins Netz stellen und hoffen,
dass irgendwer in 20km Umkreis sie schön findet.
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