Jungs es ist vollbracht, vor drei Stunden wurde der 100. Beitrag von Ben's Blog veröffentlicht! Am 14. Juli 2011 hat Axel die wirre Suffidee eines Blogs in die Tat umgesetzt und nun 705 Tage * später ist der Blog nicht gegen die Wand gefahren sondern immer noch aktiv. Im Schnitt wurden alle 7 Tage * ein Beitrag veröffentlicht, wobei wiederum Axel einen Löwenanteil hat.
Mir macht es immer noch unglaublich Spaß hier Schwachsinn zu lesen oder selbigen aus meinem Kopf hier abzuladen.
Wie ein alter Blogger-Spruch besagt, sind die ersten 100 Posts die schwersten, danach läuft es wie von selbst. Ich glaube wir werden auch die nächsten 3 bis 300 Jahre (ich glaube an die Schulmedizin!) noch viel Spaß mit diesem Glanzstück der Blogosphäre haben!
Aber auch nach 100 Einträgen lernt man immer noch was dazu, so habe ich im vorletzten Eintrag wirklich nur die Mail gelesen und Nachschau der Dreifaltigkeit in Schweden bis eben verpasst. Das passiert mir nicht noch mal!
Zu der Missachtung der Drei-Tage-Regel muss erwähnt werden, dass der PonR bezüglich THC-Abbauprodukte schon am zweiten Nachmittag erreicht war. Es hat meiner Meinung keinen Sinn gemacht auf ein paar gemütliche bis sehr ambitionierte Spliffs zu verzichten, wenn jeder Drogentest so oder so in Flammen aufgegangen wäre, hätte ich draufschiffen müssen.
Da ich hier in meiner Wohnung nur so dahinschmelze, werde ich mich gleich mit Fiffi in den Mauerpark begeben und versuchen mit kaltem Bier meine Körpertemperatur auf unter 39 Grad zu drücken. Obwohl es die letzten beiden Donnerstage sehr lustig war mit Fiffi im Schlosspark Charlottenburg zu kiffen und rausgeschmissen zu werden, wird es heute wohl ohne Tomatensalat ablaufen, eine Klausur steht an und außerdem ist nichts mehr da ;-)
*In einer vorigen Version wurde die Zeitspanne irrtümlicherweise mit 1071 Tagen und einem Schnitt von einem Eintrag alle 10,7 Tagen angegeben. Der Autor bittet diese dreiste Unterschätzung der hier erbrachten Leistung zu entschuldigen.
Donnerstag, 20. Juni 2013
Hoppsala, Schluss mit Uppsala
Während der Zug Richtung Reichsgrenze dänische
Gefilde durchquert, schließe ich mit Uppsala ab. Die Nachlese unserer
gemeinsamen Dreifaltigkeit dort konnte man im letzten Eintrag verfolgen
(Ich weiß nicht, ob ihr es gelesen habt, es war nicht in der Mail,
sondern nur so im Blog zu lesen), gewissermaßen ziehe ich zur Stunde
eine persönliche Bilanz.
Einige bemerkenswerte Aspekte muss ich allerdings festhalten. So zum Beispiel, dass man sich Schwedischlernen in Schweden abschminken kann. Nur mit Dönermännern dort besteht die reelle Chance, nicht ins Englische zu verfallen. Weiterhin ist zu bemerken, dass die Frage, ob ich aus Dänemark käme, was den Akzent betrifft, keinesfalls als Kompliment zu begreifen ist. Dänen versteht nämlich niemand in Skandinavien, weil sie Vokale aussprechen, als bliesen sie gleichzeitig einen Zagel.
Eine große Enttäuschung war für mich das von Pfiffy vielbesungene schwedische Bikini-Team. Es handelt sich dabei um einen amerikanischen Werbegag, der aus nicht unheißen, aber gänzlich unnordischen Fräulein besteht. Echte Schwedinnen mögen zwar in aller Regel hübscher sein, tragen jedoch ständig diese widerlichen Chucks mit Hosen. Es ist nicht zu fassen. Wir sollten bald eine H&M-Kampane starten (Tatsächlich scheint der Einfluss dieses Konzerns auf die Kleidungswahl junger Mädchen recht beträchtlich in Skandinavien zu sein), die diese unmöglichen Kleidungsstücke für kleine Größen für immer verdammt. Was ab den Kategorien L, XL, XXL usw. geschieht, ist mir dagegen ziemlich egal. Hier kann durchaus auch die Burka wieder ins Angebot aufgenommen werden.
Da ich mich gerade wieder sabbernd auf Dt. Bier freue, muss ich die Alkoholmisere in diesem Land nicht weiter kommentieren. Ich lebe noch und meine Leber ist weiterhin bei Kräften, wenngleich leichter unterhopft (-> Wochenende).
Auf jeden Fall habe ich eine Menge Spaß gehabt. Mag der akademische Zugewinn überschaubar gewesen sein, der sprachliche nicht zu flüssigen Schwedisch geführt haben, der persönliche war enorm. Trotz einer tollen (Frei-)Zeit in Uppsala freue ich mich jetzt wieder auf das dicke B, unzählige Abende in Parks, an Seen, unter Brücken und in Gossen. Das Fête de la musique naht, die Fusion und das allwöchentliche Samstags-Besäufnis. Jawohl!
Einige bemerkenswerte Aspekte muss ich allerdings festhalten. So zum Beispiel, dass man sich Schwedischlernen in Schweden abschminken kann. Nur mit Dönermännern dort besteht die reelle Chance, nicht ins Englische zu verfallen. Weiterhin ist zu bemerken, dass die Frage, ob ich aus Dänemark käme, was den Akzent betrifft, keinesfalls als Kompliment zu begreifen ist. Dänen versteht nämlich niemand in Skandinavien, weil sie Vokale aussprechen, als bliesen sie gleichzeitig einen Zagel.
Eine große Enttäuschung war für mich das von Pfiffy vielbesungene schwedische Bikini-Team. Es handelt sich dabei um einen amerikanischen Werbegag, der aus nicht unheißen, aber gänzlich unnordischen Fräulein besteht. Echte Schwedinnen mögen zwar in aller Regel hübscher sein, tragen jedoch ständig diese widerlichen Chucks mit Hosen. Es ist nicht zu fassen. Wir sollten bald eine H&M-Kampane starten (Tatsächlich scheint der Einfluss dieses Konzerns auf die Kleidungswahl junger Mädchen recht beträchtlich in Skandinavien zu sein), die diese unmöglichen Kleidungsstücke für kleine Größen für immer verdammt. Was ab den Kategorien L, XL, XXL usw. geschieht, ist mir dagegen ziemlich egal. Hier kann durchaus auch die Burka wieder ins Angebot aufgenommen werden.
Da ich mich gerade wieder sabbernd auf Dt. Bier freue, muss ich die Alkoholmisere in diesem Land nicht weiter kommentieren. Ich lebe noch und meine Leber ist weiterhin bei Kräften, wenngleich leichter unterhopft (-> Wochenende).
Auf jeden Fall habe ich eine Menge Spaß gehabt. Mag der akademische Zugewinn überschaubar gewesen sein, der sprachliche nicht zu flüssigen Schwedisch geführt haben, der persönliche war enorm. Trotz einer tollen (Frei-)Zeit in Uppsala freue ich mich jetzt wieder auf das dicke B, unzählige Abende in Parks, an Seen, unter Brücken und in Gossen. Das Fête de la musique naht, die Fusion und das allwöchentliche Samstags-Besäufnis. Jawohl!
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| Aufgewacht.... |
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| ...ab jetzt wird wieder gesoffen! |
Samstag, 15. Juni 2013
"Stockholm? I'm a member!"
Ich befinde mich zur Zeit des Schreibens dieser Zeilen gerade auf dem Rückweg von einer Reise durch Skandinaviens spektakulären Norden. Die Berge, die Fjorde, die Küste, die Inseln, einfach überwältigend. Hier bin ich mit Sicherheit nicht das letzte mal gewesen (auch als Idee an euch, liebe Mitblogger). Die folgende Aufnahme entstand um ein Uhr nachts, also am tiefsten Stadt der Sonne hier, irgendwo in den Lofoten:
Nun, die Nordreise ist das eine. Das andere ist der Besuch der
Hunnen vor nunmehr drei Wochen. Benni hat hierbei die Tradition
etabliert, nach alkoholgeprägten Gruppenveranstaltungen dieser Art eine
kleine Nachlese in Form von gewonnenen Erkenntnissen zu betreiben. Dem
möchte ich mich hiermit anschließen:- Wie konnte ich glauben, dass ihr an Kulturprogramm interessiert seid? Hatte tatsächlich Verschiedenes herausgesucht, aber am Ende war selbst das vielbespottete Burgenfels beliebter bei der allgemeinen Gruppenmeinung als Vorschläge für Museen.
- Es ist Megalustig sich zu bekiffen und im Wald verloren zu gehen.
- Videos davon sind dies nicht.
- Pfiffy kocht eine Spitzenbolognese.
- Sonnenaufgänge werden nicht langweilig.
- Zu behaupten, man sei ein Mitglied von Stockholm (tatsächlich meinte der Protagonist, er sei ein Mitglied Stockholms und nicht ein Mitglied der Studentenverbindung "Stockholms Nation"), um dann der begeisterten Dame eine Värmlands Gästekarte für läppische 75 Kronen hinzuhalten, zieht nicht beim anderen Geschlecht. Die Gesprächspartnerin mag die nette Discokonversation dann spontan verlassen.
- Benni mag es, wenn er unter die Dusche gestoßen wird.
- Gäste mögen es nicht, wenn man ihnen vortäuscht, es gäbe einen Dresscode mit Sakkos, wenn man sie am Ende auf eine Gayparty bringt.
- Nach dem Genuss von Knaster muss man doch nicht drei Tage warten, ehe man sich an das Steuer eines Umzugs-LKWs setzt.
- Die Gemüseplatte bei Östgöta Nation in Uppsala besteht aus drei Gurkenstreifen und einem Möhrenstreifen.
- Nach 2 Litern Cola in einer halben Stunde zeigt selbst Benni Anzeichen eines Zuckerschocks. Zur Bekämpfung empfiehlt er etwas Alkohol, auch am Mittag.
- Pfiffys Musikgeschmack ist mittlerweile besser (sofern man soetwas bei Geschmäckern sagen kann) als meiner. Es ist aber dennoch nicht so, dass bei kurzem Aufenthalt des Gastgebers außerhalb des Raumes automatisch das Recht besteht, dessen Musik abzustellen und seine eigene anzuschließen!
- Dreifaltigkeiten sind also an allen Orten zu allen Zeiten möglich.
Montag, 13. Mai 2013
Schwedischer Bierfaschismus
Euch dürfte inzwischen gut bekannt sein, dass die Zugänglichkeit zu Bier hier eines der größten dauerhaften Ärgernisse für mich darstellt. Im folgenden habe ich mal -auch in Vorbereitung auf euer Kommen- eine Übersicht der Schande erstellt, der ich hier jedes Wochenende und auch so manchen Wochentag ausgesetzt bin. Zum Glück versorgen mich derzeit noch meine belgischen Freunde mit sehr gut trinkbaren hochprozentigen Gerstensaft, der für die schwedische Regierung mit Sicherheit in die Schublade "Terrorismus" gehören dürfte. Nun, wenn dem so ist, leben wir gerne im Untergrund.
Produziert wird laut Büchse in der EU, Wikipedia nennt Dänemark, Estland und Deutschland als Braustandorte. Klingt mir ziemlich nach der bekannten Paderborner-Pils-Technik, Bierreste der Umgebung zu erwerben und zu verschneiden. Könnte es womöglich sein, dass Pfiffys und mein geliebtes Ötti oder gar Bennis Radeberger im schwedischen Burgenfels landet?
Nach langen Berechnungen bin ich schließlich zu dem Schluss gekommen, dass "Burgenfels", sogar gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot durch eine dänische Brauerei, in der 2,8%-Variante den besten Deal darstellt, es gibt auch eine 3,5%-Variante. Schon von weitem wird dem anspruchsvollen Genießer schnell klar, dass "Burgenfels" keine gewöhnlich Niederpreisplörre ist, sondern Brauereirest allererster Güte. Das Design verheißt mit seinem goldenen Deckel nicht nur eine Reise durch die goldene Hopfenwelt sondern königlichen Biergenuss auf Öttangié-Niveau.
Produziert wird laut Büchse in der EU, Wikipedia nennt Dänemark, Estland und Deutschland als Braustandorte. Klingt mir ziemlich nach der bekannten Paderborner-Pils-Technik, Bierreste der Umgebung zu erwerben und zu verschneiden. Könnte es womöglich sein, dass Pfiffys und mein geliebtes Ötti oder gar Bennis Radeberger im schwedischen Burgenfels landet?
Samstag, 4. Mai 2013
Die zwei Tage des Jahres an denen Schweden nicht wie Schweden aussieht
Gefühlt lag ganz Schweden bis gestern mit 0,7 Promille im Bett und kurierte einen heftigen Kater aus. Meiner war ebenso gigantisch und konnte nicht einmal mit Essighering erträglich gemacht werden. Manchmal muss man da eben durch.
Natürlich ist es nie schön, das schöne Maifest und die traditionelle Randale in Berlin zu missen. Doch um nicht jedes Jahr eine so großartige Möglichkeit zu verpassen, alte Möbel abzufackeln, haben die Schweden ihre eigene Walpurgisnacht erfunden, die sich "Valborg" nennt und unter jungen Leuten kaum weniger destruktiv ist. An diesem Tag gibt es eine Reihe von merkwürdigen Traditionen in Uppsala, zum Beispiel ein Bootrennen mit selbstgebauten Schiffen auf dem Rinnsal der durch die Stadt fließt. Weiterhin kann man um 15.00 Uhr einer Rede des Uni-Rektors lauschen und danach seine Mütze in die Luft werfen. Oder gleich in eine der Nationen Uppsalas gehen und Mädels mit Schaumwein nassspritzen. Aber ohne etwas vorweg nehmen zu wollen, die Hauptidee des Tages ist eigentlich sich mächtig einen reinzustellen ohne dafür auf den Abend warten zu müssen.
Ihr könnt euch vorstellen, dass mir diese Idee von Grunde auf gut gefiel.
Das erste Bier wurde um 9.30 Uhr gezischt, was meinen Pegel des Vorabends gleich wieder zurückholte. Damit war ich für schwedische Verhältnisse ziemlich spät und wurde durch meine Mitbewohner ausgelacht, das Bootrennen verpasst zu haben. Aber das war eigentlich vollkommen in Ordnung, weil ich mich ohnehin lieber im Park zulaufen lassen wollte. Das tat ich dann auch engagiert. Um Eins sah der Park bereits wie die Fusion aus, nur dass die Leute voller waren. Wie es sich für Schweden gehört, war die ganze Veranstaltung trotz des schändlichen öffentlichen Alkoholgenusses hochgradig institutionalisiert, man beschäftigte sogar Heere von Mülllsammlern, die den sich kaum mehr atrikulieren könnenden Blondches die eben geleerte Bierdose aus der Hand nahmen.
Das Wetter war leider auch typisch schwedisch, es gab immer mal wieder kürzere Regengüsse, aber auch Sonnenschein. Mein Sonnenschein war vor allem der allgemeinen Jahrmarktsatmosphäre geschuldet, die mich kommunikativ zu beachtlichen Leistungen hinriss. Gegen Nachmittags speiten bereits die ersten Spanier unserer Gruppe, der Rest ließ sich aber nicht vom weiteren Spaß abhalten. Richtung Abenddämmerung lassen sich einzelne Ereignisse nicht mehr vollkommen zweifelsfrei voneinander trennen. Nach einer spontanen Korridorparty im Studentendorf begaben wir uns auf eine weitere Outdoor-Party, wo ich mir eine Europallete unter den Nagel riss, deren Muskelkater ich noch heute in den Armen spüre. Als mir ein älterer Schwede vorwerfen wollte, ich hätte sie gestohlen, erwiderte ich, dass ich sie im Palletenladen um die Ecke für 40 Kronen erworben hätte. Das Ding wurde für eine Bekannte zum Überraschungsgeschenk, das sie dankbar als Bühne im Flur annahm, wo eine weitere spontane Party stieg. Ich weiß nicht mehr genau, was geschehen war, doch plötzlich war ich mit einer Gruppe Mädels alleine im Raum.
Zeit, um mit der heißen Norwegerin Hoppe Reiter zu spielen. Danach wurde eine Partymeute zusammengestellt, um, es war mittlerweile ca. 15 Stunden nach dem ersten Bier, sich in einem Club restlos die Kante zu geben. Ob ich zu diesem Zeitpunkt bereits meinen Rucksack verloren hatte, wird wohl für immer im Dunkel der Nacht bleiben.
Der Türsteher riet mir, dringend mit dem Trinken aufzuhören, verwehrte uns aber zum Glück nicht den Eintritt. Ein solcher Rat musste natürlich gleich ignoriert werden. Unser Tanzen kann eigentlich gar nicht mehr besonders Tanzen gewesen sein, wir versuchten es trotzdem. Als der Club schloss, entließ man uns in den Sonnenaufgang. Beste Gelegenheit, um an der einen Deutschen unserer verbliebenen Gruppe ein wenig rumzuschrauben. Gesagt, getan.
Wie angedeutet, die nächsten Tage wünscht man nicht mal seinen ärgsten Feinden. Trotz aller Verluste resümierte ich selbstzufrieden: Non, je ne regrette rien.
Natürlich ist es nie schön, das schöne Maifest und die traditionelle Randale in Berlin zu missen. Doch um nicht jedes Jahr eine so großartige Möglichkeit zu verpassen, alte Möbel abzufackeln, haben die Schweden ihre eigene Walpurgisnacht erfunden, die sich "Valborg" nennt und unter jungen Leuten kaum weniger destruktiv ist. An diesem Tag gibt es eine Reihe von merkwürdigen Traditionen in Uppsala, zum Beispiel ein Bootrennen mit selbstgebauten Schiffen auf dem Rinnsal der durch die Stadt fließt. Weiterhin kann man um 15.00 Uhr einer Rede des Uni-Rektors lauschen und danach seine Mütze in die Luft werfen. Oder gleich in eine der Nationen Uppsalas gehen und Mädels mit Schaumwein nassspritzen. Aber ohne etwas vorweg nehmen zu wollen, die Hauptidee des Tages ist eigentlich sich mächtig einen reinzustellen ohne dafür auf den Abend warten zu müssen.
Ihr könnt euch vorstellen, dass mir diese Idee von Grunde auf gut gefiel.
Das erste Bier wurde um 9.30 Uhr gezischt, was meinen Pegel des Vorabends gleich wieder zurückholte. Damit war ich für schwedische Verhältnisse ziemlich spät und wurde durch meine Mitbewohner ausgelacht, das Bootrennen verpasst zu haben. Aber das war eigentlich vollkommen in Ordnung, weil ich mich ohnehin lieber im Park zulaufen lassen wollte. Das tat ich dann auch engagiert. Um Eins sah der Park bereits wie die Fusion aus, nur dass die Leute voller waren. Wie es sich für Schweden gehört, war die ganze Veranstaltung trotz des schändlichen öffentlichen Alkoholgenusses hochgradig institutionalisiert, man beschäftigte sogar Heere von Mülllsammlern, die den sich kaum mehr atrikulieren könnenden Blondches die eben geleerte Bierdose aus der Hand nahmen.
Das Wetter war leider auch typisch schwedisch, es gab immer mal wieder kürzere Regengüsse, aber auch Sonnenschein. Mein Sonnenschein war vor allem der allgemeinen Jahrmarktsatmosphäre geschuldet, die mich kommunikativ zu beachtlichen Leistungen hinriss. Gegen Nachmittags speiten bereits die ersten Spanier unserer Gruppe, der Rest ließ sich aber nicht vom weiteren Spaß abhalten. Richtung Abenddämmerung lassen sich einzelne Ereignisse nicht mehr vollkommen zweifelsfrei voneinander trennen. Nach einer spontanen Korridorparty im Studentendorf begaben wir uns auf eine weitere Outdoor-Party, wo ich mir eine Europallete unter den Nagel riss, deren Muskelkater ich noch heute in den Armen spüre. Als mir ein älterer Schwede vorwerfen wollte, ich hätte sie gestohlen, erwiderte ich, dass ich sie im Palletenladen um die Ecke für 40 Kronen erworben hätte. Das Ding wurde für eine Bekannte zum Überraschungsgeschenk, das sie dankbar als Bühne im Flur annahm, wo eine weitere spontane Party stieg. Ich weiß nicht mehr genau, was geschehen war, doch plötzlich war ich mit einer Gruppe Mädels alleine im Raum.
Zeit, um mit der heißen Norwegerin Hoppe Reiter zu spielen. Danach wurde eine Partymeute zusammengestellt, um, es war mittlerweile ca. 15 Stunden nach dem ersten Bier, sich in einem Club restlos die Kante zu geben. Ob ich zu diesem Zeitpunkt bereits meinen Rucksack verloren hatte, wird wohl für immer im Dunkel der Nacht bleiben.
Der Türsteher riet mir, dringend mit dem Trinken aufzuhören, verwehrte uns aber zum Glück nicht den Eintritt. Ein solcher Rat musste natürlich gleich ignoriert werden. Unser Tanzen kann eigentlich gar nicht mehr besonders Tanzen gewesen sein, wir versuchten es trotzdem. Als der Club schloss, entließ man uns in den Sonnenaufgang. Beste Gelegenheit, um an der einen Deutschen unserer verbliebenen Gruppe ein wenig rumzuschrauben. Gesagt, getan.
Wie angedeutet, die nächsten Tage wünscht man nicht mal seinen ärgsten Feinden. Trotz aller Verluste resümierte ich selbstzufrieden: Non, je ne regrette rien.
Sonntag, 28. April 2013
Meilenweit nur Bier in Sicht
Gestern rief die "Biannually Spring Beer-Mile" zur Teilnahme. Ich hatte mich nicht wenig mental auf dieses Event vorbereitet, welches in unserer Austausch-Studenten-Gruppe als DAS Frühlings-Highlight angekündigt worden war. Tatsächlich bestätigte sich hier das leidige Phänomen eines jeden Sauf-Fest-Organisators, wie ich es auch schon im Sommer bei der Organisation des Schlachtensee-Laufes festgestellt hatte: Zuvor hatten sich zig Teilnehmer angekündigt, am Ende waren vielleicht 20 am Start, die Zuschauermenge überragte die Teilnehmeranzahl deutlich.
Worum ging es? Insgesamt war eine Meile, also 1,6 km zu rennen und dabei die 'sagenhafte' Menge von 1,32l Bier zu vernichten. Soweit gar nicht mal so schlimm. Vielleicht war die Verteilung die Haupthürde: Eine Bierdose, 400m; eine weitere Bierdose, wieder 400m u.s.w.
Klar, das durfte ich mir nicht entgehen lassen, endlich die Schmach des letzten Kastenlaufes zu tilgen. Also wurde seit dem Frühstück sämtliche weitere Flüssigkeits- oder Nahrungszufuhr eingestellt. Was gar nicht mal so einfach war, vor dem Rennen hatte Läufer Nummer 432 bereits einen Mordsdurst aufgebaut, als er auf der Läuferbahn des Sportplatzes mit den Hufen scharrte.
Das Rennen selbst? Eine Katastrophe. Fühlte sich an wie eine Vergewaltigung durch einen ausgewachsenen, gut genährten Zoo-Elefanten. Das erste Bierchen ging noch gut rein, doch schon während der ersten Runde wusste ich, dass ich das Rennen niemals gegen die echten S-/Läufer gewinnen kann. Das zweite wurde reingeqält. Beim Rennen der zweiten Runde befürchtete ich bereits, mit einem Spontan-Papst eine Strafrunde zu kassieren, doch glücklicherweise war das ganze nur ein erschreckend riesiger Rülps. Beim dritten Bier trennte sich schließlich die Spreu vom Weizen. Die ersten gaben auf, die trainierten gingen in Führung und eine weibliche Teilnehmerin aus Kanada erbrach in ihren Mund, bekam aber keine Strafrunde, weil sie den Papst sogleich wieder an seinen Ursprungsort zurückbeförderte (Tapfer, das gelingt mir nur dicht auf der Tanzfläche). Ich fiel stark zurück, konnte das Bier aber schließlich austrinken und machte im Rennen wieder Boden gut. Beim Überholen eines Teilnehmers hatte der einen leichten Sprühpapst, der jedoch aufgrund des geringen Ausmaßes für die Schiedsrichter am Start nicht sichtbar war und daher ungeahndet blieb. Fast hätte das bei mir eine Kettenreaktion ausgelöst. Ich beschwerte mich bei ihm, mit meinem Magen ringend und zog davon. Das vierte und letzte Bier vor der letzten Runde. Der Sieger, Organisator des Rennens und Ire, war meines Erachtes schon im Ziel. Die, die nicht aufgegeben hatten und nicht zur trainierten Fraktion gehörten, hatten sich hier in der Saufzone versammelt, um mit ihrem Körper zu kämpfen. Gegen den Schweinehund, aufzuhören, gegen die Vernunft, sofort eine Bratwurst zu essen und gegen den Bauch, der alles wieder rausdrücken wollte. Als schließlich die beste Frau im Feld ihr letztes Bier austrank und für die letzte Runde ansetzte, wusste ich, dass ich das nicht einfach geschehen lassen konnte. Saufen ist Kopfsache. Die soziale Demütigung fürchtend, angefeuert von der johlenden Tribüne, vollführte ich einen klassischen Bierjungen wie in alten Tagen und setzte zur Aufholjagd an. Nach 200m hatte ich das Mädel eingeholt. Statt eines großen Showdowns zum Schluss konnte ich die letzten Meter ins Ziel gehen. Noch auf der Ziellinie beendete mein Magen die bis dato fruchtbare Zusammenarbeit und begann, das Wettkampfgetränk wieder auszuwerfen. Es war mir diesmal nicht möglich, den Papst in einen Rülpser zu verwandeln. Doch konnte ich glücklicherweise sofort den Fluss stoppen, so dass es für die meisten wie ein etwas größeres Spuken ausgesehen haben muss.
Ich habe noch nie soviele Leute würgen sehen. 12:56 Minuten, 4x0,33l Bier 5,2% und 4x400m später war mein Magen eine klaffende Wunde. Erst zwanzig Minuten danach begann der Alkohol das gerade Geschehene in Wohlgefallen auzulösen. Nun konnte der Abend beginnen.
Worum ging es? Insgesamt war eine Meile, also 1,6 km zu rennen und dabei die 'sagenhafte' Menge von 1,32l Bier zu vernichten. Soweit gar nicht mal so schlimm. Vielleicht war die Verteilung die Haupthürde: Eine Bierdose, 400m; eine weitere Bierdose, wieder 400m u.s.w.
Klar, das durfte ich mir nicht entgehen lassen, endlich die Schmach des letzten Kastenlaufes zu tilgen. Also wurde seit dem Frühstück sämtliche weitere Flüssigkeits- oder Nahrungszufuhr eingestellt. Was gar nicht mal so einfach war, vor dem Rennen hatte Läufer Nummer 432 bereits einen Mordsdurst aufgebaut, als er auf der Läuferbahn des Sportplatzes mit den Hufen scharrte.
Das Rennen selbst? Eine Katastrophe. Fühlte sich an wie eine Vergewaltigung durch einen ausgewachsenen, gut genährten Zoo-Elefanten. Das erste Bierchen ging noch gut rein, doch schon während der ersten Runde wusste ich, dass ich das Rennen niemals gegen die echten S-/Läufer gewinnen kann. Das zweite wurde reingeqält. Beim Rennen der zweiten Runde befürchtete ich bereits, mit einem Spontan-Papst eine Strafrunde zu kassieren, doch glücklicherweise war das ganze nur ein erschreckend riesiger Rülps. Beim dritten Bier trennte sich schließlich die Spreu vom Weizen. Die ersten gaben auf, die trainierten gingen in Führung und eine weibliche Teilnehmerin aus Kanada erbrach in ihren Mund, bekam aber keine Strafrunde, weil sie den Papst sogleich wieder an seinen Ursprungsort zurückbeförderte (Tapfer, das gelingt mir nur dicht auf der Tanzfläche). Ich fiel stark zurück, konnte das Bier aber schließlich austrinken und machte im Rennen wieder Boden gut. Beim Überholen eines Teilnehmers hatte der einen leichten Sprühpapst, der jedoch aufgrund des geringen Ausmaßes für die Schiedsrichter am Start nicht sichtbar war und daher ungeahndet blieb. Fast hätte das bei mir eine Kettenreaktion ausgelöst. Ich beschwerte mich bei ihm, mit meinem Magen ringend und zog davon. Das vierte und letzte Bier vor der letzten Runde. Der Sieger, Organisator des Rennens und Ire, war meines Erachtes schon im Ziel. Die, die nicht aufgegeben hatten und nicht zur trainierten Fraktion gehörten, hatten sich hier in der Saufzone versammelt, um mit ihrem Körper zu kämpfen. Gegen den Schweinehund, aufzuhören, gegen die Vernunft, sofort eine Bratwurst zu essen und gegen den Bauch, der alles wieder rausdrücken wollte. Als schließlich die beste Frau im Feld ihr letztes Bier austrank und für die letzte Runde ansetzte, wusste ich, dass ich das nicht einfach geschehen lassen konnte. Saufen ist Kopfsache. Die soziale Demütigung fürchtend, angefeuert von der johlenden Tribüne, vollführte ich einen klassischen Bierjungen wie in alten Tagen und setzte zur Aufholjagd an. Nach 200m hatte ich das Mädel eingeholt. Statt eines großen Showdowns zum Schluss konnte ich die letzten Meter ins Ziel gehen. Noch auf der Ziellinie beendete mein Magen die bis dato fruchtbare Zusammenarbeit und begann, das Wettkampfgetränk wieder auszuwerfen. Es war mir diesmal nicht möglich, den Papst in einen Rülpser zu verwandeln. Doch konnte ich glücklicherweise sofort den Fluss stoppen, so dass es für die meisten wie ein etwas größeres Spuken ausgesehen haben muss.
Ich habe noch nie soviele Leute würgen sehen. 12:56 Minuten, 4x0,33l Bier 5,2% und 4x400m später war mein Magen eine klaffende Wunde. Erst zwanzig Minuten danach begann der Alkohol das gerade Geschehene in Wohlgefallen auzulösen. Nun konnte der Abend beginnen.
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Donnerstag, 11. April 2013
Mein zweites Standbein
Das Berufsbild des Physikers kränkelt an entscheidender Stelle: dem Sex-Appeal. Einem Weib auf einem gesellschaftlichen Anlass zu offenbaren, man betreibe die akademische Disziplin der Physik, löst im Allgemeinen Befremden aus und sorgt zuverlässig für eine abruptes Eintreten einer Gesprächspause. Diese lässt sich selbstverständlich optimal nutzen, um sich kurz einen weiteren Drink zu mixen, eine Kippe anzuzünden, sich flink auf die Suche nach herzhaften Essensresten zu machen, zu schauen ob die Toilette immer noch belagert ist, oder auch schlicht um zu testen, wie gut die weibliche Konversationspartnerinn geübt ist, einem derartigen Gesprächstöter entgegenzutreten.
Ist sie dies nicht und tritt unangenehmes Schweigen auf, ist es an einem selbst das Gespräch wieder neu zu entfachen. Unter Umständen ist die Flamme des Dialoges auch nie richtig entbrannt, gegeben man gab seinen Hintergrund bereits bei den entscheidenden ersten Sätzen preis. In diesem Fall ist nichts mehr zu retten und man sucht am Besten einen Artgenossen mit gleichem Nerdlevel auf, um ein wenig über die Konsequenzen einer möglichen Anomalie des allgemeinen Gravitationsgesetzes für Schwerpunktsabstände der beteiligten Massekörper in einer Größenordnung klein gegenüber der Plancklänge zu streiten. Dies lässt den entstandenen Frust am Ende der kurzen Interaktion mit der andersgeschlechtlichen Person (meist niedrigerer Nerdstufe) schnell vergessen, führt aber auf lange Sicht eben nicht zum beabsichtigten Erfolg.
Konnte man es zumindest für einige Zeit verbergen, aus welchem Gewerbe man stammt und ist die Diskussion erst im späteren Verlauf ins Stocken geraten, ist die Lage besser aber immer noch heikel, denn es gilt nun erst einmal den Sand aus dem Getriebe zu putzen. Dies stellt sich allerdings meist mühsam dar und erfordert unnötig Kraft und umständliche Erläuterungen, aus denen klar wird, dass man zwar schon irgendwie Nerd aber eben kein durchgeknallter Geek ist und mit allgemeinen Hygienegrundlagen, einschließlich der Handhabung von Seife, Handtuch und Haarschampoo vertraut ist.
Auch ich habe hinsichtlich der geschilderten Problematik hinreichend Erfahrung gesammelt und über die Jahre mehr oder weniger effiziente Strategien entwickelt, die einen am Ende des Tages mehr schlecht als recht über den Berg, bzw. durch den Abend bringen. Natürlich bin ich auf Nachfrage bereit, meinen mühsam erworbenen Wissenschatz mit Nerds gleicher oder höherer Nerdstufe zu teilen. Die erfolgreiche Umsetzung ist jedoch immer noch risikobehaftet und unterliegt hohen statistischen Schwankungen. Auf der Suche nach einer universellen Methode bin ich bei meinen Studien zu dem Schluss gelangt, dass die einzige erfolgreiche Strategie mit globalem Anspruch, d.h. unabhängig von individueller Ausprägung des Nerdfaktors, der Aufbau eines zweites Standbeins ist.
Selbstredend ist Maschinenbau oder Informatik als zweites Standbein ungeeignet. Mit dem Attribut "geeignete" zu versehene Metiers sind: Tauchlehrer, Stuntman, Rockstar, Tenor (nicht Countertenor), DJ, Bankräuber, Berufsblogger (für literarische, philosophische Themen, auf keinen Fall naturwissenschaftlich), Guru, Survival-Experte, Kampfpilot, Nachrichtensprecher, CEO von Volkswagen (auf keinen Fall CEO der S-Bahn Berlin), Modedesigner (Vorsicht: wirkt eventuell schwul), Talkmaster (nicht Lenz, schwul), Diktator, Fernsehkoch (Vorsicht: auf keinen Fall Biolek), oder Skilehrer.
Ich persönlich habe mich für Letztes entschieden. Und ich beschloss, dass der Tiroler Skilehrerverband ein geeigneter Partner für mein Unternehmen wäre. Um es vorwegzunehmen: Leider haben die Tiroler Bergspasten die tiefere Absicht meiner Teilnahme an der Ausbildung durchschaut und sich prompt geweigert, mir die benötigte Lizenz auszuhändigen. Natürlich konnte ich vorher nicht ahnen, dass eine innige Naturverbundenheit, Menschenfreundlichhkeit (ungeachtet des Geschlechts, Haarfarbe oder Alters), Freude im Umgang mit Kindern, Hilfbereitschaft und Geduld neben mittelgrottigem Fahrkönnen ebenfalls gefordert waren.
In bester Absicht und guten Mutes begab ich mich also vor knapp zwei Wochen mit dem Zug von Zürich nach Zell am Ziller im Zillertal. Keine Ahnung, was man sich bei der Wahl des Ortes gedacht hat, aber die Entscheidung muss wohl von dem einzigen Tiroler Skilehrerausbildner getroffen worden sein, der Zeit seines Lebens nicht verstanden hat, dass Skifahren und übermäßiger Alkoholkonsum am Spätnachmittag eine innige Symbiose bilden, die unter dem Schlagwort Apres Ski bekannt ist. Was die besagte Beschäftigung anbetraf, hätte ich von der Stimmung am Ort her gesehen, zum Feiern und Grölen genauso gut den ausgeschiedenen Papst in seinem Nonnenkloster besuchen können. Bereits am ersten Abend drehte ich mit meinen WG Kameraden (zumindest die waren einigermaßen vernünftig) drei Runden durch den Ort nur um festzustellen, dass es neben einer einzigen offenen Bar nur noch "Tonis Stadl" gab, eine Absteige, in der die Dame an der Bar wohl die einzige Person war, die man ansprechen konnte, ohne sich krankhaft pädophil zu fühlen.
Im Laufe der Tage verbesserte sich die Situation zum Glück ein wenig. Zum einen wuchs unsere WG auf stolze zehn Personen, zum anderen entdeckten wir die "Alte Mühle", eine Tanzeinrichtung in der, übrigens dem Namen gerecht werdend, das Publikum nicht minderjährig war. Des Weiteren gesellten sich drei Anwärter aus Ischgl zu uns, denen ebenfalls nicht entgangen war, dass die Apres Ski Qualität in Zell am Ziller weit hinter Tiroler Standards zurückgeblieben war. Da die beiden Südtiroler aus der WG ("Django" und "Shred") verantwortlich für die Logistik des italienischen Rafting-Nationalteams waren und einen entsprechend geeignetes Gefährt besaßen, konnten wir unseren Aktionsradius beträchtlich erweitern und so schloss dieser nun auch die Nachbargemeinde mit ein, in der Gott sei Dank mehr los war.
Die Skilehrerausbildung bestand im Prinzip darin, zehn Tage lang Pflug zu fahren, was in erster Linie für die Skilehreranwärter von Vorteil war, die noch nicht Skifahren konnten. Die Ausbildner hielten sich durch den konsequenten und kollektiven Genuss von Snus (schwedisch: Snüs) bei Laune. Einige auch damit, Erkundigungen darüber einzuholen, wer ihnen denn den besten Deal für Gras machen könnte. Vom Ausbildungsprogramm her, ließen sich also keine Einwände finden, die allabendlichen Ausflüge ins Nachbardorf nicht noch ein wenig zu vertiefen.
Da ich Informationen erhielt, dass alsbald der bereits allgemein als Dumpfbacke bekannte "Justin" zu uns ins Haus, konkret zu mir ins Zimmer, ziehen sollte, war ich gezwungen noch schnell im Keller ein Bett aufzubauen. "Justin" hatte sich kurz vor Beginn des Lehrgangs bei einer kleinen Meinungsverschiedenheit den Arm verknickst, und war aus dem Krankenhaus getürmt, bevor man seinen Arm gipsen konnte. Der Junge war auf jeden Fall im Kopf genauso hohl, wie sein Arm geschwollen und blau, was sich auch nochmal dadurch bestätigte, dass er gleich am ersten Abend das Waschbecken mit Kotze verstopfte, obwohl die Toilette keinen halben Meter daneben stand.
Die Südtiroler machten sich mittlerweile durch ihre ausgezeichneten Kochkünste bemerkbar. Die weiblichen Mitbewohnerinnen waren ebenfalls gut drauf und pflegeleicht. Eine von ihnen fing dann auch gleich ein Verhältnis mit einem Ausbildner an, der zufällig im Partynachbardorf wohnte. Dieser erfreute sich zwar an ihrer nächtlichen Gesellschaft, musste aber mit dem Umstand leben, dass seine Fiancee ihn immer dann verließ, wenn die besoffene Meute wieder nach Hause gefahren werden wollte.
Am Tag der absolvierten Theorieprüfung (die natürlich begossen werden wollte), und zugleich ein Tag vor der praktischen Prüfung, startete dann (im Nachbardorf) das "Snowbombing", zu dem haufenweise Engländer in bester Partylaune eingeschifft wurden. Man durfte sich also in guter Gesellschaft wähnen.
Natürlich ist übermäßiger Alkoholkonsum auch nicht im entferntesten eine akzeptable Entschuldigung für motorisches Versagen am folgenden Tag. Nach der praktischen Prüfung und am Ende des Lehrgangs hatte ich aber zumindest eine Lektion gelernt, die mir bei meiner weiteren Karriere auf meinem zweiten Standbein noch von großer Wichtigkeit sein wird: "Unterschätze nie den Pflug!"
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