Dienstag, 12. November 2013

Unerwartete Entdeckungen

Nachdem die alljährlich nach Acikron einfallenden sieben ägyptischen Plagen verschwunden waren, ein einsamer Heuballen noch durch das Wohnzimmer wirbelte, ich mir einen lieblichen Weißwein eingönnte, der entweder wie das siebte Geislein in einer Wanduhr versteckt gewesen muss oder dem Geschmack der Heuschrecken missfallen war, wurde am Morgen des 9. November die ganze Spur der Verwüstung sichtbar. Nein, zum Glück war es ein Freudenfest gewesen am Vortag und etwaige Glassplitter kein Fensterglas, sondern die Trümmer von allzuheftigen Drinks. Insofern verbieten sich jegliche Vergleiche zu den furchtbaren Geschehnissen des Jahres 1938.

Doch was war das, was zum Vorschein kam, als sich der Nebel schließlich lichtete? Ein wertvoller Coupon von Pamers? Ist das nicht diese Firma, die junge Eltern als Heilsbringer rühmen, wenn der liebe Nachwuchs erstmal seine Mahlzeit den treuen Eltern zurückgibt?

 

Nun kann man sich schon fragen, warum ein Pampers-Coupon auf einer Party von Mitte-Ende Zwanzig-Jährigen auftaucht. Böse Zungen würden sagen: "Ja, ja, Prenzlauer Berg eben". Doch die Adresse, nach Charlottenburg adressiert, lässt keine Zweifel, der Klapperstorch schien unseren werten Mitblogger mit der weißen Weste anvisiert zu haben. Pfiffy, was ist da los? Erwartet die "Familie Jonas Vief" vielleicht schon Zwillinge? War der Umzug nach Neukölln vielleicht die Flucht vor den mittlerweile in Hitchcock-Manier aggressiven Klapperstorch-Schwadronen?
Da in der Lohmeyerstraße danach unsere ehemalige Mitbewohnerin mit Ihrem Freund einzog, ebenfalls ein langjähriges Pärchen, das von manch einem verdächtigt wird, etwaigen Nachwuchsgedanken nicht vollkommen abgeneigt zu sein, geht nun das Gerüchtekarussel weiter. Wollen die beiden sich möglicherweise die Familienpackung Pampers auf Pfiffys Kosten sichern? Oder will hier jemand seine Inkontinenz verbergen? Schwarzmarkt-Windelhandel auf Kosten junger Eltern vielleicht? Oder ist Pampers mittlerweile in Dealerring für Amphetamine?
Wir brauchen einen Untersuchungsausschuss, ZuBuvoDe!

Dienstag, 5. November 2013

Der Umzug

Klar es muss sein. Ich muss mich und meine großartige Performance am Wochenende hier festhalten! Alle der hoch geschätzten regelmäßigen Leser haben ein Teil dieses Wochenendes begleitet, hier die ganze Geschichte noch einmal zum nachlesen ;-).

Freitag Abend ging es aus der Uni, über den Umweg eines Italieners, in eine Cocktailbar in Schöneberg.  Verdammt guten, unglaublich teuren (außerhalb der happy-hour 13,9 EUR !!!) Cocktail namens "Sun of Ra" gekippt und weiter zu Jonas gefahren. Bier, Schnaps und Besuch aus der Schweiz ließen alle guten Vorsätze vergessen und ich bin mit ins Ritter Butzke. Geile Party, Stimmung, Drogen, Musik und Leute, alles hat gestimmt. Ich habe (allerdings nur durch Vincents zutun) mit 18 jährigen Mädels geflirtet, Gras mit einem Araber geraucht, habe mich mit einem unglaublich vollen Iren angefreundet und wurde von einem Mädel mit pinken Haaren gefragt ob ich mit ihr nach Hause kommen will. Oh Yeah. Voll gut, aber da war doch noch was.... egal ein Bier geht noch, der Ire ist schließlich auch noch da ... Die Vollbremsung wurde schließlich von der Uhr am linken Handgelenk eingeleitet. Schon nach 5.30 Uhr, und zwar deutlich! Ich muss um 9 Uhr aufstehen, der Umzug! Fuck, egal ein Bier geht noch ... Aber wirklich nur eins!

9 Uhr, nach knapp 2,5 Stunden Schlaf und immer noch voll dabei, wurden erstmal Nils und Axel angerufen und versucht den Umzug wegen schlechten Wetters abzusagen. Es hat nicht funktioniert. In Charlottenburg brauchte ich nur Minuten um auch wirklich alle anwesenden mitbekommen zu lassen, dass ich voll wie Haubitze zu dieser Veranstaltung erschienen war. Gefühlt war Axel der Einzige, der meinem Suff-Humor und meinen Versuchen diesen Umzug etwas lustiger zu gestallten, positiv gesinnt war. Ich erntete schon fast mitleidige Blicke, als ich der Freude über ein gefundenes Bier, Ausdruck verlieh. War aber nicht so schlimm, ich hatte ja den Axel dabei und der war schließlich schon bei Bier Nummer 2. 
Der mich antreibende Humor wurde schlagartig von einer Waschmaschine die in Neukölln in den vierten Stock musste weggeblasen. Nils und ich buckelten das Ding mit letzten Kräften zu zweit hoch. Oben angekommen ging ich unmittelbar danieder:



Boa war ich fertig, aber das halbe Auto war ja noch voll (lustigerweise war ich zu diesem Zeitpunkt auch noch genau halbvoll - es gab anscheinend eine positive Korrelation). Nach zwei riesigen Schränken und vielem anderen Scheiß war das Auto leer und man gestand mir eine Pause ein. Ich blieb mit 5 Mädels in Neukölln zurück, während der Rest der tapferen Truppe den restlichen Kleinscheiß aus Charlottenburg holte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bei den Mädels mit meiner Fahne und dem kompletten Schwachsinn, welchen ich von mir gab, so unbeliebt gemacht, dass ich einfach ignoriert wurde. Selbst direkte Ansprache mit Namen blieb unbeantwortet. Während ich anfing darüber nachzudenken, ob ich mir mal Gedanken über mein Verhalten der letzten Stunden machen sollte, war es auch schon passiert. Eingeschlafen. Mitten auf dem Teppichboden, ohne Kissen ohne Decke. Ne ganze Stunde hab ich da geratzt, ich war froh etwas Schlaf nachzuholen und alle Anderen Ruhe vor mir zu haben. Der Rest ging schnell vorbei und es gab leckere Suppe danach. 
Am nächsten Morgen fand ich nicht nur den Stempel der Butzke auf dem rechten Handgelenk sondern noch ein paar weitere der Waschmaschine auf meinem Oberschenkel: 



Fazit: Totaly worth it! Ich würde und werde es nächste Mal wieder genau so machen, überlegt euch gut ob ihr mich dabei haben wollt!

Dienstag, 22. Oktober 2013

Das Knaster-ABC

Bei unserer letzten Runde anlässlich der Deutschen 5:3-Revanche gegen die Schweden diskutierten wir eine Weile allgemeingültige Kiff-Regeln. Nun ist es in der Tat so, dass Kiffen ein hochgradig ritualisierter Vorgang ist, der von alten, überlieferten Verhaltensweisen bestimmt wird. Das ist insofern erstaunlich, weil sich ja gerade jene Kreise, die üblicherweise das meiste Knaster vernichten (Schiller, Linke, Alternative, Drogies, Hip Hopper, "Kinder in Mülltonnen, die esssen, was ich wegwerfe" (LotW, 2006), deine Mutter), besonders dadurch auszeichnen, Tradition und Rituale abzulehlenen. Doch beim Dope scheint hier wohl gerne eine Ausnahme gemacht zu werden. Da Zeug nicht verschwendet werden soll und der Gedanke der Gerechtigkeit, durch die Illegalität und Knappheit des Knasters in erster Linie verursacht, eine große Rolle spielt, haben sich einige Regeln etabliert, die ich hier einmal wiedergeben möchte. Die Reihenfolge spielt dabei erstmal keine Rolle:

§1 Präambel
Die Würde des Zeugs ist wie die Würde des Rauchers unantastbar. Sie zu achten und zu fördern, ist die Aufgabe aller gastgebender Gewalt.

§2 Erstellung des Joint
     (1) Verschwende nicht! Baue nur, wenn du es auch kannst!
     (2) Ein Tabakboden ist nicht Pflicht, aber ratsam, wenn der Joint nicht als ganzes weggeraucht würde.
     (3) Ein Joint, weedmäßig an die Gruppengröße angepasst, pro Smökereinheit. Nur der Spender darf ausnahmsweise vorgeben, dass mehre Joints zum Sofortverzehr (paraleller Konsum) gebaut werden sollen.
     (4) Falls es äußere Anlässe erfordern, dürfen mehrere Joints für seriellen Konsum vorgebaut werden.

§3 Entzünden des Joint
     (1) Wer baut, der haut.
     (2) Erst der Bauer, dann der Spender, dann die restlichen Verschwender.
     (3) Ist neben den unter (2) genannten Parteien auch der zuständige Dealer und/oder Züchter dabei, gilt die Reihenfolge der Wertschöpfungskette: Bauer, Spender, Dealer, Züchter, andere Verschwender und Verwender.

§4 Konsum
     (1) Soweit nicht anders vereinbart, kreist ein Joint im Uhrzeigersinn.
     (2) Eine einmal aufgenommene Reihenfolge wird beibehalten
     (3) Pro Person darf mehrfach, aber maßvoll gezogen werden.
     (4) Aushusten ist nur bei Krankheit gestattet. Anderfalls soll der Konsument seine Rauchtechnik entsprechend anpassen.

§5 Beenden des Konsumes
        (1) Soll ein Joint auf Pause gestellt werden, ist dazu die einstimmige Zustimmung der ganzen Smökereinheit erforderlich. 
        (2) Bevor ein Joint, nahezu aufgeraucht, entsorgt wird, wird die Gruppe befragt, ob der Joint "totgemacht" werden darf. Erst jetzt darf von der unter §4 (1) und (2) vereinbarten Reihenfolge abgewichen werden.

[Kann noch fortgesetzt werden]

Donnerstag, 26. September 2013

Die eine Party des Jahres

Partyfreunde aufgepasst! Es ist wieder soweit, die Casa Axelsior öffnet zum 8.11.2013 Ihre Pforten, um den Freuden durchzechter Nächte zu frönen. Dieses Jahr allerdings gibt es eine Innovation: Ich konnte zwei tolle DJs gewinnen, an besagtem Abend aufzulegen, was es allerdings zum ersten Male erforderlich machen wird, einen jeden Besucher um einen kleinen Beitrag von mindestens zwei Euronen zu bitten.

Liebe Blogleser, daher werde ich euch einmalig in diesem Jahr darum ersuchen, bei Erscheinen von jeglichen Geschenken abzusehen und einfach Geld für die Abendgestaltung zu spenden.


Ich freue mich schon jetzt auf einen meiner Jahreshöhepunkte und euer hoffentlich zahlreiches Erscheinen!

Dienstag, 17. September 2013

Ein Foto und seine Geschichte

Kürzlich unternahmen Pfiffy, Sabrina und ich eine Reise nach Hamburg, um beim Geburtstag unserer Freundin Anika dafür zu sorgen, dass die Stimmung dort auch Eskalationsgefahr in sich birgt.

Ohne auf die Details dieser Party weiter einzugehen, natürlich rockten wir das Fest.

Für die meisten Partygäste und Hamburg-Besucher wahrscheinlich eher Randnotiz, so fiel mir bei einem kleinen Stadtrundgang am Tage vor der Sause eine Merkwürdigkeit auf, die mittlerweile sowohl in Hamburg als auch in München Realität geworden ist. Seinerzeit hatte ich bereits in Ben's Blog davon berichtet, dass diese einstmals so vorbildlichen Deutschen Städte sich auf den Irrweg des Antialkoholismusses bewegt haben und ein Alkoholverbot im öffentlichen Personennahverkehr einführten sowie -und hier ist der entscheidende Punkt- dieses auch neuerdings durchsetzen.
Klar, dass das Seperatisten wie Axelsior auf den Plan rufen muss.

Vielleicht wisst ihr, dass ich bei jenem Thema inzwischen überhaupt keinen Spaß mehr verstehen. Ohne Witz, ich halte öffentlichen und nichtöffentlichen Alkoholkonsum für ein Bürgerrecht, dass für mich auf dem gleichen Rang wie die Meinungs- und Pressefreiheit oder das aktive und passive Wahlrecht steht - wohlgemerkt für alle mündigen und volljährigen Bürger unseres schönen Landes. Keine (staatliche) Macht soll mir verbieten dürfen, was ich wann und wo konsumiere. Es ist Teil meiner liberalen Gesamtanschauung, dass ich es nicht einsehe, für etwas bestraft zu werden, was ich potentiell falsch machen kann -im Suff oder nüchtern-, sondern nur für das, was ich tatsächlich falsch gemacht habe. Nur weil sich andere Besuffskis nicht benehmen können, kann doch ein harmloser Bürger mit seinem Pils (oder seiner Pommes, seiner Stulle etc.) in der Bahn nicht sofort bestraft werden. Bestraft diejenigen, die sich daneben benehmen - mit Promille, mit Cannabis im Blut oder eben ohne!

Klar war also, dass ich dieses Alkoholverbot im ÖPNV bei jeder Fahrt mit Händen und Füßen treten und mit der Kehle missachten würde. Wie gesagt, setzt die Stadt Hamburg mittlerweile dieses Verbot, dass strenggenommen sogar in meiner geliebten Stadt Berlin existiert, sich jedoch auch auf sonstiges Essen bezieht, wirklich durch. Somit war das Trinken eines Öttis in der Bahn ein wahres Vergnügen, schließlich bestand der permanente Thrill darin, dass aus dem Billigbier zu 0,29 Euro schnell ein Chateau La Öttouge zu 40,29 Euro werden könnten.

Die Party am Abend leerte sich bereits früh, weshalb wir mit der Gastgeberin beschlossen, auf der Reeperbahn weiterzufeiern. Wie immer nahm ich, mittlerweile wie üblich angeschärft, zwei Pils in die Hand und wir machten uns auf den Weg. Kaum betraten wir die Bahn, erblickten wir auch schon zwei Wachleute, vor denen ich meine teure Fracht meinem Zustand geschuldet nicht mehr schnell genug verbergen konnte. Bevor sich die Türen schlossen und meine vierzig Euro den Besitzer wechseln konnten, sprang ich gleich wieder aus dem Wagen. Schade nur, dass die Partygesellschaft erstmal ohne mich feiern konnte, denn erst in der Bahn zwanzig Minuten später konnte ich mein Bier schließlich ungestört leeren.

Pfiffy, es tut mir leid, dass deine Party unter meiner Aktion litt, indem du mich später abholtest und in den Club zu den anderen eskortiertest, aber das war, außer der Ungeschicktheit, dass ich das Bier nicht versteckt hatte, einfach notwendig. Ich hasse dieses Verbot wie die Pest und werde es immer boykottieren. So, wie du immer Harndrang bekommst, wenn du einen Nissan siehst oder im Falle von Minister Friedrich auch Bußgelder in Kauf nehmen würdest. Der Themenkomplex beschäftigt mich derart, dass ich ihm sogar den besten Aufsatz meines Studiums widmete, den ich im Fach Ethik in Schweden ablieferte.

In "Limitations in Access to Alcohol in Societies" rechne ich auf Basis ethischer Schulen wie dem Deontologismus, Liberalismus und Konsequentionalismus u.a. mit dem skandinavischen System des Alkoholmonopols ab, den ich als Paternalismus schelte. Mit gewissem Recht, wie ich finde, schließlich lebte ich vier Monate in einem Staat, der mich wie ein Kind behandelt und mich nicht einmal ein Bier im Supermarkt kaufen lässt, dass mehr als 3,5% Alkoholgehalt hat. Von seinem hohen Preis einmal ganz abgesehen. Draußen trinken hätte ich es natürlich erst recht nicht gedurft.

Ich könnte in meiner grenzenlosen Abscheu dieser Unfreiheit und Ungerechtigkeit gegenüber noch viele weitere Zeilen mit Argumenten und Diskussion füllen, will das euch aber ersparen. Ihr seht sicher meinen Punkt. Nur wurde mir bei Betrachten der Hausordnung in der BVG bewusst, das ein Durchsetzen dieses unmöglichen Verbotes in Berlin auch nicht mehr vollkommen unrealistisch ist. Noch ist auch in allen öffentlichen Park Deutschlands der Konsum von Alkohol grundsätzlich erlaubt, doch Ausnahmen existieren bereits an bestimmten Plätzen. Das Schwert schwebt über uns! Brüder, seid bereit zum Kampfe. Ich gelobe hiermit: Sollte das Verbot für Berlin wirklich ernsthaft in die Diskussion kommen, werde ich Widerstand leisten und sehr lange mit Bier Ringbahn fahren. Nur, wie ich dann die ganze Zeit aufs Klo gehen soll, ohne die BVG als Gegner zu gewinnen, das weiß ich noch nicht.

Donnerstag, 1. August 2013

Mittwochsdrill

Hatte ich bei dem letzten Eintrag zunächst noch die Sorge, der Artikel würde sich um unseren allgemeinen körperlichen Verfall, die sportliche Unfitness geschlechtsreifer Großstädter zu Paarungszeit oder das verfluchte Älterwerden drehen, wurde schnell klar, dass der Autor nicht weniger im Sinn hatte, als eine generelle längst überfällige Lobpreisung der Verfasser dieses großartigen Blogs anzustimmen. Das gelang ihm wie immer äußerst feinsinnig. Denn langsam kann man die allerorten hörbaren Sätze unter Endzwanzigern wie "Ich bin zu alt für den Scheiß" oder "Man ist ja keine Zwanzig mehr" einfach nicht mehr hören. Nicht nur, dass sie einfach unwahr sind, selbst objektive Beabachter werden zugegeben, dass die Performance des Drogenkünstlers Eckbert I und seiner Schergen wie jA-man usw. nicht nur auf dem Fusion Festival, wo die weiter unten kommentierten Bilder entstanden, jedes Jahr extremer wird. Auch bei anderen Gelegenheiten zeigen die BenBlogger, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören und man auf alten Schiffen mehr als nur Segeln lernen kann.
Eins ist jedoch auch Jungspunten schnell klar: Ein gestählter Körper wird niemandem geschenkt, nicht einmal dem Sechzehnjährigen, besonders wenn Frittiertem zugetan. Das Schönheitsideal der Wampe wurde an dieser Stelle zwar schon kontrovers diskutiert, doch einmal annehmend, dass vor allem in der Überzahl befindliche ignorante Zeitgenossen ihm noch nicht verfallen sind, ging ich einmal davon aus, einen Paulanerspoiler fürs erste eher loswerden zu wollen sei der vielversprechendere Weg. Auf Empfehlung des Co-Autors ZuBu stimmte ich also zu, probeweise an einem solchen Ringelpiez teilzunehmen, bei der die Wampen-Heiden die Adonis-Götzen anbeten und die Sportgötter milde stimmen, in dem sie zwei Stunden lang alle mögichen widersinnigen Posen einnehmen und das Geschenk ihres Körpers unnötig mit Anstrengung belasten.
Der erste Termin dieser ketzerischen Veranstaltung begann am Mittwoch vor einer Woche gegen Neun Uhr in einem von mir stets gemiedenen Gebäuden der Berliner Innenstadt: Der TU. Zu meiner Überraschung schienen auch ein ganz paar durchaus ansehnliche Damen gewillt, ihren Körper mit Sport zu matern. Zunächst machte man sich mit zwanzig Minuten Joggen durch den Tiergarten "warm", wobei angesichts des Tempos hinterher nicht nur mein Gemüt warm war, sondern auch der Gedanke, doch gleichmal einen nahliegenden Biergarten aufzusuchen. Doch so schnell wollte ich nicht in alten Muster zurückfallen. Mit Liegestütz und Sit-Up-Varianten, die ich bisher eher aus dem Bereich der Pornographie zu kennen glaubte, war auch der Oberkörper schnell in einem Stadium angekommen, das förmlich "Aufhören!" brüllte. Einen besonderen Leckerbissen hatte mein Mitleidender Pfiffy mir schon zuvor angekündigt: Treppenrennen, wobei der fünfte Stock im TU-Hauptgebäude durch seine doppelte Deckenhöhe kein besonderes Ausruhen versprach. Kombiniert mir Liegenstützen und der permanten Aufforderung des Trainers, sich nicht so anzustellen, hätte aus unseren T-Shirts bald konzentrierte Sole gewonnen werden können. Übrigens war auch das Dehnen, sonst eher schmückendes Beiwerk zur Verletzungsprophylaxe, von einer Intensität, die den meisten Zeitgenossen durchaus zum ertüchtigenden Wochenprogramm gereicht hätte.
Einziger Lichtblick: Es gibt immer Leute, die sogar noch unfitter als du selber sind. Klar, die Fatties, endlich zur Überzeugung gelangt, dass Pommes-Schranke zwar gut schmeckt, aber eben nicht gut tut, waren die ersten, die bei mir einen Anflug von Überlegenheit entstehen ließen. Nur gab es, besonders beim nächsten Termin am vergangenen Mittwoch, kaum Zeit darüber nachzudenken, weil zehn Minuten mit erhobenen Armen zu Laufen bald nur noch wehtat. Es war irgendwie witzig: Zwei Stunden wünschte man sich nur, dass es aufhöre und versicherte sich selber, man sei einfach nicht der Typ für Folter dieser Art, kaum aber war das ganze vorbei und der Flüssigkeitshaushalt mit zwei Litern Wasser insgesamt wieder aufgefüllt, fasste man den Plan nächste Woche wiederzukommen. Soll das etwa ein erstes Zeichen von Altersreife sein?

Montag, 29. Juli 2013

Scheisse longue und die Gefahren des Alterns

Liebe Freunde. Es wird Zeit für ein unangenehmes, doch gerade für die an diesem Blog beteiligten Personen hochbrisantes Thema: geistiger und körperlicher Verfall.
Wie bereits auf analogem Wege kommuniziert, habe ich während eines Atlantiküberfluges  in meinem linken Bein einen kleinen Thrombos abbekommen. Die Therapie schlägt ein permanentes horizontales Ausrichten der betroffenen Stelle vor sowie das strikte Unterlassen kräftezehrender Aktivitäten. Eine Woche lag ich deshalb nun auf dem Chaise Longue und hielt mich strikt an diese Anweisung, wobei ich mir allerdings immer noch nicht vorstellen kann, inwieweit die ebenfalls verschriebene Abstinenz ernst gemeint war, hätte ich diese Verordnung doch eher nach einer Sondierung der Leber an Stelle des Beines erwartet. Bedauerlicherweise musste ich meine körperliche Verfassung aber doch zumindest so ernst nehmen, dass ich von allzu exzessivem Feiern abzulassen hatte. Unter anderem wurde das Herrengedeck zum Frühstück durch einige wenige Schlücke Pils substituiert und ich war in der Destille tatsächliche einmal so unterhopft, dass mir auffiel wie dicht Ben* eigentlich mal wieder war.
Kurzzeitig hatte sich in Folge des konsequenten Gammelns und der Ethanol-Unterversorgung ein relativ leerer Geisteszustand eingefunden, allerdings nicht leer im Sinne von hohl, sonder eher im Sinne von meditativ - eine ideale Voraussetzung um einen Eintrag in diesem Forum zu verfassen. Die Frage, über die ich begann zu meditieren war die folgende: Treten Thrombosen nicht normalerweise bei alten Säcken auf? Habe ich meinen Körper derarten Strapazen unterzogen, dass ich innerlich bereits zum Pflegefall verwest bin?
Ich habe mir einige Hoffnung bei der Beantwortung der Frage durch Durchstöberung des von mir in jüngster Vergangenheit angesammelten Bildmaterials erhofft und bin zufällig auf die Photos zweier Koautoren gestoßen, um die ich mir, wie um mich selbst, ebenfalls Sorgen mache. Diese Photos wurden in vergleichsweise kurzen Zeitabständen aufgenommen.  Der Ort des Geschehens ist mit einer Veranstaltung verbunden, auf die Ben's Blog bisher regelmäßig eine Delegation sandte um in bekannte oder auch unbekannte Bewusstseinszustände vorzudringen.



zu Bild 1 (oben):
Die hier abgebildeten Personen versprühen eine Wolke jugendlicher Unbekümmertheit und Frivolität. Großzügig ist die Farbe in ihren Gesichtern aufgetragen und ihre Haltung zeugt von unzubändigender Dynamik und Bewegungsdrang.Diese beiden Prachtexemplare von Mensch kennen keinen Schmerz, kein Kratzen und kein Husten, kein Karies und kein Baktus, keine Pest, kein Cholera, kein Hepatitis und auch kein Tripper, kein dumpfes Brummen im Schädel am Morgen, keine brennende Harnröhre, weder zu festen noch zu flüssigen Stuhl, keine Hühneraugen und auch keine Hämorrhoiden. Diese beiden Jünglinge kennen nur wilde Partys, Nächte ohne Morgen, und sie sind tagelang im Rausch, denn statt Schlaf tanken sie Bier. Rastlos wie Maschinen feiern sie und ihr Puls pocht dabei so regelmäßig und hart wie der Beat.
zu Bild 2 (unten):
Hier sieht die Situation etwas anders aus: Ben* (Person links) leidet ganz offenbar an Hörstörungen, wohingegen Accelzio (Person rechts) offensichtlich Probleme hat, sich zu artikulieren und dazu auch vollständig Souveränität über seiner Gesichtszüge verloren hat. Die in Bild 1 noch festgestellte Frische ist hier völlig abhanden gekommen und es überwiegt der Eindruck von Zerstörung. Bemerkenswert ist auch wie die beiden Bierflaschen deutlich ins Zentrum der Photographie gerückt sind. Die die Flasche haltenden Arme sind spitz angewinkelt, wahrscheinlich um die Strecke von Flaschenkopf zu Mund zu minimieren. Auch das psychologisch ungeschulte Auge sieht hier ernst zunehmende Anzeichen einer weit verbreitenden Sucht, da selbstverständlich davon auszugehen ist, dass das Getränk, an dem die beiden Boys sich laben, ein alkoholhaltiges ist. Nicht zufällig wurde Ben* erst kürzlich schwer angeschlagen mit seinem Pfleger beim Komasaufen erwischt, was ihm dadurch gelang, dass er sich als Ritter Eckbert I ausgab. Alle Blogautoren waren Zeugen dieses dramatischen Vorfalls.
zu Bild 3 (unten):
Um allerdings doch noch ein abschließendes Urteil zu wagen, war es nötig ein drittes Bild heranzuziehen. Die beiden Jungs sind hier wieder bester Laune und haben ihre Vitalität wiedergefunden. Dass diese auch das andere Geschlecht nicht unbeeindruckt lässt, beweist die fasziniert und hoffnungsvoll schauende Dame in der rechten Bildhälfte. Allerdings ist klar zu erkennen, dass ihre wollüstigen Blicke ausschließlich auf den Photographen der Aufnahme gerichtet sind, der aber zu sehr mit der Dokumentation des Geschehens beschäftigt ist, als dass er ihrem Verlangen nachkommen könnte. Es lässt sich also sagen, dass Bild 2 ein äußerst seltenes Ereignis darstellt, das keinerlei statistische Relevanz hat. Grob gesprochen ist die Photographie eine zeitgeschichtliche Rarität und es ist allein dem Talent des Photographen und seinem Gespür für den richtigen Ort und die richtige Zeit zuzuschreiben, dass eine derart seltene Aufnahme überhaupt entstehen konnte.
Inwieweit klärt diese kleine Photostory nun aber meinen eigenen Gesundheitszustand? Da ich mit meinem Lebensstil verglichen zu dem der Koautoren zu meiner Freude nicht allzu sehr hinterherhinke und glücklicherweise auch nicht allzu weit vorauseifere, hat mich die obige Bildfolge und die aus ihr gewonnene Erkenntnis beschwichtigt. Ich bin davon überzeugt, dass das von den Blogautoren betriebene Spaßprogramm stets für gute Unterhaltung sorgt, und nur in vereinzelten Momenten dafür verantwortlich ist, dass mittelschwere körperliche und geistige Aussetzer eintreten. Insofern kann ich aus ärztlicher, sozialer, politischer und rechtlicher Perspektive erstmal Entwarnung geben. Sollten sich die Aussetzer jedoch häufen, bitte ich ausdrücklich darum, mir dieses mitzuteilen, damit wir zu einer Neubewertung der Lage kommen können.