Samstag, 15. Dezember 2012

Finger und so.... Mexiko!

Nach zwei Wochen Pura Vida war ich froh, am vorgangenen Dienstag in das kalte Deutschland zurückgekehrt zu sein. Ein Traum aus Schnee und Adventsstimmung, wenngleich bisweilen leicht ungemütlich ohne Jacke draußen. Wer konnte auch mit solchen Temperaturen rechnen?

An dieser Stelle will ich euch mal das Postkartengelaber vom tollen Land, den beeindruckenden Pyramiden, schönen Kirchen, netten Leuten, Spitzenwetter und dergleichen ersparen. Das trifft natürlich alles zu, aber würde euch nur unheimlich neidisch machen. Daher will ich von Dingen berichten, die die Singels unter euch noch viel neidischer machen.
Wie sieht der echte Deutsche aus? Ja, ich weiß, er ist hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie ein Hot Dog. Er ist pünktlich, bescheiden, akkurat, leider manchmal leicht humorlos. Er hat eine Leber wie eine in Korn eingelegte Leberwurstplatte und einen Herz von der Größe einer Macadamia-Nuss: Nicht groß, aber königlich. Sein Haar ist gülden wie die Sonne, manchmal aber auch dunkel wie die Nacht, er ist groß und hat einen großen. Einen großen Bart meine ich natürlich.
Seine Haut ist hell, (in Zeiten als Einwanderungsland zum Glück gibt es auch negerisierte Deutsche, sie sorgen für mehr Vielfalt unter den oben genannten Kriterien) die Statur stattlich, das Auftreten furchtlos, "ein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün" (Wagner, Tannhäuser).

Wie begnadet wir eigenlich sind, ist mir erst fernab der Heimat aufgegangen. Klar, wenn man nach Skandinavien fährt, fällt man als Germane unter Normännern kaum auf, höchstens, umgekehrt, die Nordfräulein springen dem flinken Teutonen ins Auge. In Südeuropa, zwischen Mafiaboys und Paellaten ist der Unterschied schon spürbar. Doch in den ehemaligen Kolonien Spaniens könnten die Differenzen kaum größer sein.
Ein gewisser Hernán Cortés, seines Zeichens Eroberer des Atztekenreiches - er vernichtete mit wenigen Hunderten Mann ein Millionenimperium, um sich anschließend mit seinen Recken durch die präspanische Ladywelt Mesoamerikas durchzuschnackseln - brachte zwar die Sprache und einige iberische Gene unter die mexikanische Gesellschaft, aber dasjenige für hohen europäischen Wuchs war anscheinend nicht dabei. So hat der allemannische Gast auf einer mexikanischen Party heute einen ungeheuren Selektionsvorteil: Er kann bis auf weite Entfernung sich diejenige rausuchen, mit der er die kommende Nacht ein intensives Gespräch über seltene Briefmarken führen möchte. Außerdem bietet sich die geschätzte Möglichkeit, gleich diejenigen Gorditas auszuschließen, die den fleischgefüllten Tacos und Coca-Cola-Soft-Getränken zu selten entsagen, was in Mexiko durchaus leider nicht allzu häufig vorkommt, weil hier die etwas unklare Sitte verbreitet ist, ein jedes Gericht zur Sicherheit nochmal zu frittieren. Da der nichts ahnende Teutone aufgrund weiter oben genannter Eigenschaften in Mexiko üblicherweise den Status eines Popstars genießt, stellt es keine Schwierigkeit dar, die begehrte Dame sogleich im Tanze näher auszuprobieren. Falls gewünscht und sie nicht zufällig aus einer sehr streng katholischen Familie stammt, kann man im Anschluss mit ihr gerne das erhoffte Gespräch über Postwertzeichen führen. Wenn auch nicht selber praktiziert - mein Spanisch ist leider ungefähr so wie mein Wissen über Damenhandtaschen, mein geliebter Bruder zeigte durchaus, was mit den kleinen Mexikanerinnen so alles anzufangen ist. Auch auf Ponys kann man eben reiten.

Dienstag, 13. November 2012

Richtigstellung

Obwohl mutmaßlich alle Leser dieses Blogs auch auf der Party anwesend waren (deshalb war es wohl so voll), sind durch den letzten Kommentar von Ben* zu "Party vorrüber" vom 13.11.2012 möglicherweise einige falsche Eindrücke entstanden. Der Kommentar bezog sich, völlig unqualifiziert, auf die sexuelle Orientierung einiger Bloggefährten. Der Kommentierende selber, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Homofürsten, hat wieder einmal versucht, seine Gayness zu leugnen, wie er das gerne in Gesellschaft tut. Zum Glück gab es nicht nur den fraglichen Schnappschuss als Beweismittel von der Party am 9.11.12, auf dem es erneut aus dem Delinquenten herausbrach. Zur Erklärung seines Dementis vom 13.11.2012 ist vielleicht noch zu sagen, dass die berühmt-berüchtigte Doku über das angebliche ManLovertum des Nils V., eines jungen Künstlers, von dem nach außen als Homophobian auftretenden selber stammt, also eine gewisse Befangenheit in keinem Falle abzustreiten ist. Der junge Künstler war zwar angeheitert, hat sich aber stets sehr heterosexuell betragen. Es kann kein Zweifel an seiner Straightness bestehen.
Abb. 1: Der Gay sucht die Boys und findet seine Opfer
Den Physiker muss ich an dieser Stelle in Schutz nehmen, er war nicht nur auf Mission und betrunken, nein, er befand sich zum Zeitpunkt des Schnappschusses auch gewissermaßen auf Tuchfühlung beim Rockstar der Party, der im Übrigen nur Single ist, da sein Manager ihm dies für den Absatz weiterer Platten zielgruppengerecht empfohlen hat.
 In Abb.1 ist dies nocheinmal anschaulich gemacht.

Abb.2: Alle wollen ein Bild mit dem Superstar. Wer kann es ihnen verdenken?
Dass der Physiker nicht als einziger verständlicherweise dem Superstar verfallen war, zeigt Abb. 2. Quer durch alle Geschlechter überrascht der junge Herr mit Talent, Witz und einer strahlenden Erscheinung. Das junge Fräulein zu seiner linken am rechten Bildrand hat Glück, hier mit ihm abgelichtet worden zu sein. Der Rockstar könnte sich allerdings durchaus vorstellen, ihr mal eine 'Autogrammstunde' zu geben.

Eventuell ist zu der erwähnten, tatsächlich auf der Party anzutreffenden blonden Holländerin noch zu sagen, dass sie zum Zeitpunkt des Bildes das Weite suchte, da der junge Homofürst sie bat, seine homosexuelle Pirsch nicht weiter zu torpedieren, sondern neues Pils heranzuschaffen. Da sie tatsächlich diesem Wunsch nach kam, gilt ihr und dem durstigen Homoschmuser unser aller Dank. Denn nicht nur Gaydor profitierte vom kühlen Nass, sondern die ganze Party.

Party vorrüber

Die beste Party, die je in meinen eigenen vier Wänden stattgefunden hat, ist vorbei. Zum Glück. Denn wie es sich für jede gute Party gehört, war der Saustall danach unerträglich. Mit Olga, der klugerweise zuvor engagierten Putzhilfe und einem Pils in der Hand war das Aufräumen zumindest streckenweise machbar. Danach half nur noch echtes, kompromissloses Aufschärfen, um das Schlachtfeld weiter zu übersehen.

Suchbild: Wer ist hier gay?
Außer des eingepilsten Mac, gehörend dem dankenswerterweise als DJ eingesprungenen Kasparonsius, des stark eingepilsten Fußbodens oder A-Ms wahrscheinlich ebenfalls eingepilsten, nun fehlenden iPods gab es keine Verluste. Die selbsternannte "High Society" mag eine Bierschlacht anzuzetteln versucht haben - trotzdem war das Betragen aller Gäste höchst lobenswert. Ich habe mich vom Anfang bis zum Ende amüsieren können, mein Eindruck war, dass euch das ebenso ging.

Es ging gut ab. Die Markierung zeigt den Bierschlächter.
Unsere Unterhaltungen mögen eher bescheiden gewesen sein, aber wie auf den Bildern erkennbar, sprach die Liebe und der Tanz. Dieses Konzept ist übrigens den meisten Otto-Normalverbrauchern unter dem Begriff "Modern Talking" bekannt.

Vielen Dank an dieser Stelle für eure Geschenke! Kulturgenuss ist dank Benni und Anhang nun für mich zukünftig besser zu begreifen, mit Nils darf ich bald in dunklem Anzug Zigarre rauchen und gesellschaftlich vollkommen akzeptiert leicht bekleidete Mädchen begaffen, dank Jonas kann ich Döner auch bei geschlossenem Kebab-Imbiss genießen. Seine Mutter bestand glücklicherweise darauf, den passenden Verdauungsschnaps gleich mitzuliefern.


Beim folgenden Bild gewinnt man übrigens den Eindruck, der Schenkende habe daran selbst länger genascht. Vielleicht denkt er aber auch nur über sein Leben nach oder sinniert über die durchgeführte "Mission" des vorangegangenen Abends.


Nachtexpress?

Dienstag, 30. Oktober 2012

Es geht auch anders

Wer Ben's Blog ein wenig verfolgt, mag mittlerweile leicht den Eindruck gewinnen, in einem Unterforum der Anonymen Alkoholiker gelandet zu sein. Da mögen jAms geistreiche, unterhaltsame, nicht selten wissenschaftlich angehauchte Beiträge das abhanden gekommene Niveau zeitweise wieder über die Wasseroberfläche heben, ein jeder ahnt, das das an dieser Stelle Verbreitete oftmals nur die Spitze des Eisberges an weingeistigen Verfehlungen darstellt. Ich selber gehöre da traditionell schon eher zu den klinisch-chronischen Fällen, meine neusten Wochenenderfahrungen sind in diesem Lichte als Lebensruinierung (nicht Lebensurinierung, das wäre der Schiffmeister) wider besseren Wissens aufzufassen. Doch wie konnte es soweit kommen? Selbst jAm, einstmals ein so harmloser Zeitgenosse, wehrt sich nicht mehr dagegen, kurz vor einer drohenden Alkoholvergiftung in Stuttgart nochmal einen Großeinkauf Whisky-Cola mitzutragen. Von Ben* will ich ja gar nicht erst reden, der schärft sowieso aus Prinzip auf, vielleicht, um den immer leicht unfreiwilligen Besuffski Pfiffy hinter dem antialkoholischen Ofen hervorzulocken. Am Ende sind sie doch immer alle angedüdelt.

Kein Alkohol ist auch keine Lösung? Fein, Alkohol ist auch deine Lösung? Ja!

Es muss sich was ändern, denke ich. Das denken sich übrigens so manche, Pfiffy, wenn er wieder sein unsägliches Handy an eine unschuldige Stereoanlage anschließt, Benni, wenn er den Willy endlich leer bekommen möchte und jAm, wenn er über den Musikwechsel einer Schweizer Jukebox im Óle Óle siniert - unschlüssig, ob er über die avisierte Schließung eigentlich weinen oder lachen soll. Nein, ehrlich, die ewigen Besäufnisse sind zwar aktuell stets die Höhepunkt meiner Woche, aber für mein (Uni-)Leben einfach zu destruktiv. Dummerweise habe ich mir mit der Zeit auch einen recht großen Bekanntenkreis angelacht, was dazu führt, dass regelmäßig zeitweise vernachlässigte Freunde ihren Vollsuff mit mir einfordern: Eine Tretmühle, die jedes Wochenende in eine Double Destruction führt - inklusive aller Nachwirkungen und körperlichen Verletzungen.

Manchmal glaube ich, das Abendland wäre selbst in der Postmoderne eine dauerdichte Gesellschaft, wenn Ethanol nicht einen ganz entschiedenen Nachteil hätte: Den Tag danach. Die Eingeschränktheit eines Katers, auch wenn sie jeder anders erlebt, lässt uns bisweilen einen Vorgeschmack dessen erleben, was uns einmal im Frühstadium von Demenz, Alter und Krankheit erwartet. Man denke nur an die gemeinsame Mitbewohnerin Pfiffys und meiner Person in Marburg, die verkatert das Abbild einer buckligen, alten Dame bot - auch wenn sie sonst die Männer zum Schmelzen brachte.

Nun ja, der Vollrausch führt zwar mit Sicherheit (fast) immer zum Spaß, dass es der Halbrausch oder der Leichtrausch auch vermag, hatte ich in letzter Zeit fast gänzlich aus den Augen verloren. Verabredungen in der Woche, jedes Mal am PoNR kratzend, vermied ich wie der Teufel das Weihwasser. Schweißperlen auf der Stirn bei Treffen mit einschlägigen Leuten, die dem Biere gewogen sind, beim Wissen darum, am nächsten Tag etwas Wichtiges vorzuhaben. Sobald Termine am Morgen anstehen, versuchte ich, diesen Umtrünken am Abend davor mit den fadenscheinigsten Ausreden aus dem Weg zu gehen. Als Ausnahme seien hier Frühschoppen und Weißwurstfrühstücke genannt. Aber die finden ja meistens auch nicht beim Kieferorthopäden in der Praxis statt.

Ein klassisches Schimmeln mit Pfiffy gestern heilte mich von der Annahme, Halbräusche müssten per se langweilig sein. Viel oraler Durchfall, schlechte Handyvideos, der unvermeidliche Anschluss des ZuBuPhones an die Stereoanlage brachten mir eines der schönsten Nachmittage seit langem. Und unfassbar: Am nächsten Tag fragte der Kieferorthopäde wie üblich nicht, ob ich mit der Fahne ihn betäuben wolle. Ich hatte nämlich keine.

"Ein klarer Kopf ist die beste Droge - Na, klar, das kann schon sein"

Der Leichtrausch (=ein paar Bierchen am Abend) ist also voll en vogue! Bedeutet nicht, dass sein großer Bruder uns künftig nicht mehr besucht. Siehe: Freitag, Samstag, Freitag in einer Woche, Samstag in einer Woche,....

Sonntag, 21. Oktober 2012

Aus der Butze in die Bude


Eine gute Planung ist das A und O einer jeden Unternehmung bei der hohe Verluste zu erwarten sind. Sei es das eigene Ego, wenn es darum geht einem hübschen Fräulein den Hof zu bereiten oder sei es das Haushaltsinventar beim Umzug in die neue Wohnung . Die größte Gefahr steckt meiner Erfahrung nach immer hinter einem zu großen persönlichen Ehrgeiz.
Die veranschlagten zwei Stunden für den gesamten Transport waren leider viel zu optimistisch. Deshalb wurde ich gezwungen, meinen von mir für die angedachte Zeitspanne reservierten Transportwagen, überraschend und unverzüglich zurückzugeben. Getrieben von blanker Angst vor den unverhältnismäßig hohen Strafgebühren bei Verzug, reichte ich den Wagen mit Vollbremsung und einem noch halb beladenen Kofferraum am Rückgabeort ein. Nicht nur, dass ich nun völlig unmotorisiert mit meinem Kram in der Pampa stand, es waren zudem sowohl Bett als auch Sofa in der alten Wohnung zurückgeblieben. Zum Glück kenne ich einige gutmütige Zeitgenossen und es wurde mir rechtzeitig vor Anbruch der Nacht noch eine Luftmatratze überbracht.
Auf dieser Matratze lebte ich zwei Wochen, in einem Zimmer, welches zunächst so spärlich eingerichtet war, dass selbst ein hartgesottener Purist beim Anblick der gähnenden Leere wohl lieber zum Messie mutiert wäre als sich selbst auch nur für einen Moment dieser bedrückenden Kargheit auszusetzen. Dessen nicht genug, wurde laut Aussage meines Internetanbieters mein Modem gerade erst in Malaysia zusammengeschraubt und angesichts des mir zugesagten Liefertermins musste ich davon ausgehen, dass man die Logistik soeben komplett auf Fahrräder, Esel und Bollerwagen umgestellt hatte. So befinde ich mich auch zum jetzigen Zeitpunkt informationsmitteltechnisch nach wie vor auf dritte Welt Niveau.
Kaum hatte ich einige Minuten alleine in der Wohnung verbracht, setzte auch schon die Depression ein. Natürlich hatte ich bedacht meine emsigen Umzugshelfer angemessen für ihre Mühen zu entlohnen und so war mein einziger wenn auch unzureichender Trost ein Kühlschrank voll mit halbleeren Bierflaschen und abgeknabberte Pizzastückchen, die sich bis jetzt übrigens ganz gut gehalten haben. Glücklicherweise hat die Wohnung keinen Balkon. Ansonsten hätte wohl akute Suizidgefahr bestanden.

Weil es der liebe Gott, beziehungsweise der Suffkopp Bacchus, aber so gut mit mir meint, spielte er mir die Gelegenheit zu, dem in Stuttgart ansässigen A.S. einen Besuch abzustatten, wo, es war schließlich Oktober, das Oktoberfest stattfand. Im Gegensatz zu einer weiteren süddeutschen Ethnie haben die Schwaben gelernt, bestimmte Zeiträume den entsprechenden Monatsnamen zuzuordnen. Auf jeden Fall bestand Aussicht auf überschwenglichen Bierkonsum und so scheute auch Ben* Weg und Menschen nicht und trat die beschwerliche Reise an. Nach seinen eigenen Aussagen bezieht sich „beschwerlich“ hauptsächlich auf die ersten Augenblicke der Fahrt, während denen er seinen Platz im Bordbistro noch nicht bezogen hatte. Warum die weiteren Blogautoren an Präsenz mangeln ließen bleibt bis dato rätselhaft, allerdings lässt sich aus Accelzios letztem Eintrag schließen, dass es ihm nicht gelungen ist, auf die Schnelle genug Fischbrötchen aufzutreiben.
Auch wenn die mediale Berichterstattung es nicht widerspiegelt, die Menschen in Stuttgart haben ein breites kulturelles Interessenfeld, welches sich keinesfalls ausschließlich auf Kopfbahnhöfe beschränkt. Stuttgart hat allenfalls ein Imageproblem. Nach dem bundesweiten Erfolg der "Wir können alles! - Außer Hochdeutsch" - Kampagne sind die PR-Berater im Stuttgarter Landtag leider zu dem Trugschluss gelangt, bereits auf dem Zenit ihres Schaffens angekommen zu sein und haben von da an nur noch zufrieden im Stuhl gewippt.
Doch vermutlich ist ihr trügerisches Nichtstun nur ein weiterer ihrer genialen Marketing-Coups. Seien wir doch ehrlich. Wie viele frischverliebte Paare gehen nach einem ernüchternden Wochenende in Paris getrennte Wege, weil das Steak tartare am Boulevard Saint-Germain doch nicht so viel besser schmeckt als das rohe Gammelfleisch vom Metzger um die Ecke. Wie viele alteingesessene Eheleute sitzen verzweifelt im Flug zurück aus New York, weil ihnen das MoMA auch nicht mehr geben konnte als das daheim im Wohnzimmer ausgestellte Gekrakel ihres erstgeborenen Kindes. Wie viele gutgläubige Sextouristen sind betrübt, weil die Nutten in Thailand doch nicht alle minderjährig sind. Wie viele Schweizer Landsleute kauen mir jammernd ein Ohr ab, weil man bei Curry 36 doch nicht die beste Currywurst der Welt bekommt und die Busfahrer der BVG ja doch freundlich und hilfsbereit sind (allein die S-Bahn ist zuverlässig scheiße). Von Stuttgart wird man nicht enttäuscht! Wer Stuttgart verlässt, ist so voll von unerwarteter Euphorie, dass wahrscheinlich nur die versehentliche Einnahme eines randvollen Sacks Opiate einen vergleichbaren Effekt hervorrufen könnte.
A.S. erwies sich als ein wahrer Kenner der Stuttgarter Hip Hop-Szene, die, man muss das leider etwas relativieren, die einzig vorhandene Szene überhaupt ist. Dessen ungeachtet brachte er uns von einer Tanzbar in die nächste, wo es an guter Laune und durstigem Klientel in keinem Falle mangelte. Wir beendeten den Abend standesgemäß und legten uns nach einer glorreichen und extrem intensiven Kneipen- und Tanzbetriebtour schlafen, nicht ohne auf einen letzten zugegeben etwas übereifrigen Absacker verzichtet zu haben.
Bereits wenige Stunden später waren wir im Festzelt auf dem Wasn. Nie zuvor hatte ich derart Mühe beim Trinken und nie mehr lass ich mir vorhalten, dass das vorsätzliche Pegelsaufen ja nur ungleich mehr erfordert, als die Fähigkeit, wach zu sein. Selten habe ich an einem Samstag morgen so hart gearbeitet. Auch das zweiten Bier lief noch zäh. Na gut, ab dem dritten ging es dann wieder besser, und danach war es eh schon wieder gut. Aber nie zuvor bin ich an einem Samstagabend bereits um neun ins Bett gefallen. Der kurz vor Aussetzen der Kräfte getätigte Großeinkauf Whisky Cola zeigt, dass der Vorsatz um elf abends wieder aufzustehen und weiterzufeiern durchaus ernst gemeint war. Nichtsdestotrotz sah man sich erst um elf am nächsten Morgen wieder. Ausgeschlafen und fast ohne Kater.
Man verabschiedete sich von dem großartigen Gastgeber A.S. und zog im Zug gen Nord und Süd. Der Kopf war dumpf und leer und der Blick ging hinaus aus dem Abteilfenster. Und während die Landschaft an einem vorbeiblätterte wie ein endloses aber irgendwie sinnloses Daumenkino, ließ man das Stuttgarter Wochenende noch einmal im Geiste Revue passieren und vermerkte, diese Stadt im Bekanntenkreis herzlich weiterzuempfehlen.

Kurz nachdem ich wieder in mein frischbezogenes Züricher Schlupfloch zurückgekehrt war, ereilte mich eine schwere Erkältung. Aus der Befürchtung heraus, die Krankheit könnte psychisch bedingt sein, verschönerte ich die Wohnung schnell mit zwei Postern und kaufte einen Besen. Die Besserung blieb aus. Ich überlegte ernsthaft zum Arzt zu gehen. Leider hatte ich wenige Tage zuvor, zufällig, als ich meine neue Adresse durchgab, von meiner Krankenkasse erfahren, dass ich seit Dezember 2011 unversichert war, weil ich versäumt hatte, eine Rechnung zu bezahlen. Meiner Meinung nach beispiellos stark, dass es keiner für nötig hielt, mich über diesen vielleicht doch nicht ganz uninteressanten Umstand zu informieren.
Aber wer braucht schon fachkundige Rezepte. Ich kaufte in der Apotheke erstmal alle möglichen pflanzlichen und chemischen Stoffe und mixte mir ein paar zünftige Tablettencocktails. Ebenfalls erprobte ich eine 0.9 prozentige Natriumchloridlösung, mit der man die Nase spülen konnte, welche aber laut Beipackzettel auch für einen Großteil weiterer Körperöffnungen bestens geeignet gewesen wäre.
Zu meiner Unzufriedenheit hatte ich nicht nur den anlässlich der bevorstehenden Schließung der Olé Olé Bar organisierten Biermop verpasst, es stand auch eine zweitägige Party bevor, zu der auch ein vielgelobter Kreuzberger Künstler sein Handwerk beigeben sollte. Ein gesundheitlicher Umschwung war nicht nur begrüßenswert sondern zwingend erforderlich.
Auch wenn ich das zuletzt erwähnte Ereignis am Ende immer noch sehr angeschlagen durchlebte, war ich mit meinem Heilungsprozess halbwegs zufrieden und verweise an dieser Stelle wieder einmal auf die neben allerhand Pillen nicht zu unterschätzende therapeutische Wirkung von Ben‘s Blog hinsichtlich des körperlichen und geistigen Wohlbefindens.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Was Ethanol so alles anrichten kann

Look what you have gone and done / You fool /
The best was yet to come /
What a childish game to play /
You had it all /
And threw it all away


Ich habe kein Problem mit Alkohol. Ich habe vor allem ein Problem mit Alkohol: Er hat mir am Donnerstag einen stundenlangen Blackout bescheert in dessen Folge ich mit einer riesigen Platzwunde und einem vollgebluteten Bett zuhause aufwachte. Mittlerweile ist die Jacke zum Glück wieder da, aber die Erinnerung nicht. Auch ist mir im wahrsten Sinne des Wortes der rechte Durchblick vorübergehend abhanden gekommen, mein Auge sieht aus wie nach einer K.O.-Niederlage im Superschwergewicht.

Es bringt nicht viel, darüber zu spekulieren, was passiert sein könnte, weil meine Begleiter ebenfalls hart einen im Tee hatten und sie bei der Sequenz mit dem Auge wohl auch nicht dabei gewesen sind. Soviel ist sicher, nach den Wochen der Zurückhaltung hätte man das Training langsam steigern soll, statt mit der üppigen Mahlzeit eines Fischbrötchens auf das (ja zugegebermaßen auch noch ziemlich schlechte) Oktoberfest am hässlichen Alexanderplatz zu ziehen und gleich Maß-stäblich den Olympiasieg anzustreben. Das Fiasko war eigentlich vorprogrammiert.
Aber weil der Mensch von Natur aus lernfähig ist, habe ich die Tage danach das Thema Alkohol nochmals zielstrebig und heftig angepackt, um es besser zu machen. Wäre ja auch vielzu schade gewesen, die neu gewonnene Leberleistung gleich ungenutzt zu lassen. So darf ich mich nun rühmen, drei Tage am Stück weggegangen zu sein und mittlerweile auch wieder auf gewohntem Niveau mitzuspielen. Ben*, du kannst dich nun wieder von den Cannstatter Wasen in die Hauptstadt trauen, ich erwarte dich durstig hier bereits!

Dass ich übrigens nicht der einzige bin, der angetüdelt Blödsinn verzapft, beweist eine Whatts-App-Nachricht Bens vom 20.09.2012, verfasst um 9:21 Uhr (!):
"Ey wer bist du eigentlich? Warum bon i h eigentlich der einzige der richtig Partymachen?  Ich schlafe jetzt 1,5 Stunden   Ind dann rocke I h Holland!!!!!! Later Holzig war Sau gut!!! Ich Wünsche allen Bitches nen schönen Tag! Keep on Rockong!"

Donnerstag, 11. Oktober 2012

9.11.2012 - Geburtstagssause

Wiedereinmal wissen Leser von Ben's Blog vor allen anderen bescheid: Am Freitag, 9.11.2012 steigt eine anständige "Boum" in Acikron. Edelnut ist übrigens Eduard. Eventuelles Motto der Party wird nachgereicht. Man bringe genügend Schnaps und trinke genügend davon.