Dienstag, 18. Februar 2014

Fastenprojekte

Ihr kennt mein bisweilen etwas seltsam anmutendes Verhalten, von Zeit zu Zeit alkoholfreie Phasen zu veranstalten. Auch wenn mein Trinkverhalten sicherlich quantitativ nicht von schlechten Eltern ist, hat es allerdings nicht soviel damit zu tun, dass ich Sorge hätte, alkoholabhängig zu werden. Nach manch einer Definition bin ich es vielleicht gar, aber ehrlich gesagt bin ich da selber (wie im Übrigen die meisten Alkoholiker) anderer Meinung. Da ich mein Leben ziemlich gut auf die Reihe bekomme, sozial gut integriert bin und nach wie vor regelmäßig hochgeistiges (in diesem Blog) publiziere, finde ich, dass ich ohne Weiteres weiter saufen kann.
Nun ist es aber so, dass es selbst Halbgöttern schwerfällt, nach durchzechten Nächten -als wäre nichts gewesen- eine tollte Masterarbeit weiter der Vollendung zuzuführen. Geht einfach nicht. Der Kater ist kein Zustand in dem man klinisch tot, aber eben auch keiner, in dem man akademisch oben auf wäre. Das ist einer der Gründe, mal wieder kürzer zu treten, solange ohnehin noch nutzloser Winter ist.
Zum anderen ist es die alte Einsicht, dass ich es zwar gerne mag, mit Freunden, zum Essen, beim Fußball ein paar gediegene Gläschen zu trinken. Dass ich aber auch gerne auf diese Freude verzichte, wenn ich mir ab und an dafür richtig einen reindüdle. Schließlich habe ich im Alltag ohnehin kein Problem, mal den Hauswein zuzulassen. "Ganz oder gar nicht" wäre zwar eine leicht zu radikale Beschreibung, weil sie außer acht ließe, dass auch das gepflegte Glas seinen Reiz hat. Aber das schönste ist manchmal auf jeden Fall das zweite Level. Und dass ich das beizeiten gerne haben möchte, gestand ich ja schon im im letzten Eintrag.

Zur Sache:
Es ist Winter und ich muss meine Masterarbeit entscheidend voranbringen. Warum diese trostlose Zeit nicht effektiv nutzen? Außerdem habe ich dieses Jahr keine Klausuren, die mir den optimalen Zeitpunkt, wieder das Hirn von unnützem Wissen freizuspülen, praktisch vorgeben.
Die Fastenzeit im katholischen Sinne geht vom Aschermittwoch, dieses Jahr der 05. März, bis zum Ostersonntag, dieses Jahr der 20. April. Sie umfasst 46 Tage, obwohl Jesus nur 40 in der Wüste war. Das liegt aber nicht daran, weil die Katholiken besondere Streber wären, sondern weil sie besonders bequem sind und die Sonntage einfach ausnehmen, so kommt man dann auf die 40 Tage. Auch ich möchte 40 Tage das fasten, was mir mit am schwersten manchmal fällt, auf es zu verzichten, nämlich den Alkohol. Sechs Tage habe ich zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag, die ich frei verteilen darf, an denen ich soviel trinken darf, wie ich möchte (entscheidend ist der Zeitpunkt des Ins-Bett-Gehens bzw. Aufstehens). Wie immer sind sämtliche andere Substanzen sowie Alkoholmengen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle ausgenommen. Zum Schluss der Zeit soll es dann noch einen abstinenten Endspurt geben.

Die Idee trägt vor allem dem Rechnung, dass radikale Abstinenz unflexibel und manchmal einfach nicht angebracht ist, jedoch, gerade in einer Phase wie jetzt, mir Konzentration auf den Masterius nicht schlecht tut. Wann diese Ausnahmen sein werden, da möchte ich mich noch nicht festlegen. Wenn Ben* zu seinem Geburtstag eine Party machen sollte, wäre es mit Sicherheit eine solche. Aber auch schönes Wetter und Deutsche Champions League-Begegnungen könnten welche sein.

Nun ja, so will ich die verbleibenden zwei Wochen noch genießen - trotz hoffentlich gewisssem Fortschritt am Opus Masterius.

Dienstag, 11. Februar 2014

Ein merkwürdiges Jucken

Es gibt ja neuerdings bei mir den Willen, nur noch ab und an etwas mit Freunden zu unternehmen, um mich am großen Teil der Abende Projekten wie dem meines Opus Masterius zu widmen. Freilich bedeutet das allerdings nicht, dass Destruction plötzlich ganz wegfiele. Sie soll eben nur noch selten sein. Selten, dafür aber richtig.

Ein solcher Abend war am Freitag geplant. Die ganze Woche hatte ich mehr oder weniger hart gearbeitet und mich einem guten Titel für die Abschlussarbeit weiter angenähert. Große Vorfreude war zu spüren, bevor am Freitag die Gäste zwecks Vorglühen vorbeikamen und die Sause endlich beginnen konnte. Weil Partymachen, Clubaufenthalte eine Kunst für sich sind, bei der, gerade wenn sie selten sind, möglichst wenig schief gehen sollte, erinnerte ich mich an die Anti-Fail-Liste. Gute Planung, das A und O. So war der Abend gut vorbereitet, genug Alkohol, viele Leute, eine Listung mit möglichen Clubs und zugehörigen Plan-B-Clubs sowie eine feste Abfahrtszeit. Kaum waren einmal Trick und Track außer Landes (der vierte im Bunde, der talentierte Onkel Dagobert aus der Schweiz ist ja leider sowieso permanent im seinem Geldspeicher, Moneten zählen), gelang es sogar einmal Gästelistenplätze auf der Kalias-Labelnight zu sichern. Nach einem starken orientalischen Tee ging es in die Party-M10-Tram Richtung Warschauer Str. Es folgte ein herrlicher Tanzeabend, der von mir aus noch Stunden hätte länger dauern dürfen.
Am nächsten Morgen kamen keine Katzen oder Kater zu Besuch. Vielleicht wären sie auch erst später gekommen, weil sie noch nicht so zeitig mit einem Frühstück in Acikron gerechnet hätten. Wann immer sie gekommen wären, sie kamen zu spät. Denn in dieser Zeit hatte ich bereits ein Weißbier drinnen. Und dieses Weißbier änderte alles.
Noch am Vorabend hatte ich Rinni eher abgesagt für Samstag. Nach dem Weißbier sagte ich ihr sofort zu. Ich spürte dieses merkwürdige Jucken, etwas Partymäßiges drigend unternehmen zu wollen. Wären Trick oder Track dagewesen oder es gar Sommer gewesen, hätte ich sie zu sofortigem Biertrinken genötigt. So räumte ich wie im Rausch meine Wohnung auf, machte noch ein Nickerchen, bereitete alles für einen schlimmen Katertag danach vor und gönnte mir schließlich, bevor ich zum Essen und Vorglühen nach Charlottenburg aufbrach, den ersten Drink des Abends.

Auch beim Vorglühen ließ das Jucken kaum nach. Ich wusste, es würde erst weg sein, wenn ich auf der Tanzfläche stand. Dank massiven Einsatzes von Alkoholika handelte es sich um ein überaus erfolgreiches Vorglühen. Das Jucken nahm in der Tat irgendwann ab oder es fiel mir nicht mehr auf, denn im Stadtbad Wedding angekommen, lag dann eher Betäubung vor; auch wenn ich mich noch gut daran erinnere, wie sehr ich damit zu kämpfen hatte, gerade zu tanzen auf dem schrägen Boden des Schwimmbeckens. Wie dicht ich gewesen sein muss, konnte ich den Aussagen meines Fräuleins entnehmen, die sagte, ich hätte freiwillig Whisky Cola getrunken, eine ziemlich gute Idee, wenn man ohnehin schon stark einen im Tee hat und Whisky gar nicht mal so toll findet. Da es mir aber zum Glück von einer ihrer Freundinnen ausgegeben wurde, habe ich den Müll wenigstens nicht mehr selber bezahlt. Übrigens hatte ich am Ende dieses Abends natürlich meine Garderobenmarke verloren, in Ermangelung eines Smartphones auch nicht vorher abfotografiert. Doch: Ich soll mich noch an die Nummer erinnert haben, beachtlich im Zustand geistiger Umnachtung, finde ich, so dass am nächsten Tag meine Jacke wieder unschuldig am Haken hing. Und ich lag auch wieder in meinem Bett.
Was soll ich sagen? Ein wunderbarer Abend der Kategorie 5. Manchmal braucht man(n) sowas. Am nächsten Tag hat definitiv nichts mehr gejuckt.

Montag, 3. Februar 2014

Wurst und seine Nachwirkungen

Liebe Wurstfreunde,

auch ich möchte zu unserem gefällig in Tierdärmen verpackten Lieblingsthema ungern schweigen. Wir alle sind anfällig für nächtliche Besuche bei stadtbekannten Wurstquellen wie Curry 36 oder dem Versuch in Pfiffys Küche solche beduselt aufzutreiben. Doch wir alle kennen auch die Nachwirkungen von übermäßigem bzw. stark alkoholbegleiteten Wurstgenuss.

Sodbrennen.

Diese Krankheitskarriere ist mittlerweile schon ein ziemlich alter Hut. Ich kann mich erinnern, obwohl ich bereits als Kind nach dem Genuss meines Lieblingssaftes, Bananensaft, gelegentlich darunter litt, dass es erstmals auf unserer legendären Alm-Reise -2007- stark akut wurde. Wir drei litten damals so stark darunter, dass extra Natron aus dem Tal geholt werden musste. 2008 in Portugal gehörte das frühstückliche Löschen des Brandes mit Milch fest dazu (Portugal hat meiner Ansicht nach eine durchdachte gesetzliche Regelung: Mineralwässer müssen den pH-Wert aufdrucken. Das fehlt mir hier.). 2010 hatte ich meine Magenspiegelung, seither hilft ein Medikament dabei, dass es eigentlich nur nach, wie ihr wisst nicht ganz seltenen, feucht-fröhlichen Wochenenden noch auftritt. ZuBuvoDe nimmt das Medikament seit längerem auch, das Problem scheint bei ihm gebannt. Und seit bei Ben* keine Schale mit Gummibärchen auf dem Wohnzimmertisch steht, scheint Sodbrennen auch nur etwas Gelegentliches zu sein.
Das Eisen ist also erstmal wortwörtlich aus dem Feuer geholt. Dann sah ich eine Anzeige in der U-Bahn, dass man für eine Heilwasser-Studie Probanden mit Sodbrennen suche. Da ich das Knastern ohnehin in letzter Zeit eingestellt hatte, ich also schnell hin und mich angemeldet.
Das Medikament musste ich vorübergehend einstellen, Überraschung: Wieder Sodbrennen täglich. Doch, nach einer Woche Probebetrieb, wo ich mein Trinkverhalten zu protokollieren hatte (aber zum Glück nicht zu ändern hatte!), ging es letzten Freitag los.

Ich muss jetzt täglich zwei Flaschen Heilwasser, also Mineralwasser mit besonders hohem Mineralgehalt, trinken. Sieben Wochen lang, dabei soll ich meine Ernährung jedoch auf keinen Fall ändern, sondern nur weiter protokollieren. Danach gibt es eine Abschlussuntersuchung, unwahrscheinlich, dass die Urinprobe auf Cannabinoide untersucht wird. Dann soll es auch noch 200 Euro geben. Das Wasser bringt meiner Ansicht nach tatsächlich ziemlich viel. Ich werde also dafür bezahlt, dass ich etwas trinke, was ich ohnehin gerne trinken würde. So stelle ich mir das vor.
Ich werde mal schauen, ob Brauereien auch solche Studien am Menschen durchführen. So gefallen mir Medizinstudien wirklich.

Die genaue Studie im Netz

Samstag, 1. Februar 2014

Wurstrecherche

Das Thema Wurst hat diesen Blog in den letzten Tagen stark beschäftigt. Allerdings musste ich enttäuscht feststellen, dass dieses sowohl aus kulinarischer wie kulturhistorischer Sicht höchst interessante Thema hier nicht mit der ihm gebührenden Ernsthaftigkeit bedacht wird. 
Daher habe ich eine eigene Internet-Studie zu dem Thema durchgeführt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Da wir im 21. Jahrhundert leben habe ich die Ergebnisse in visueller Form aufgearbeitet:











Donnerstag, 30. Januar 2014

Die Liste

Jeder hat Dinge im Leben, die er einmal unbedingt machen möchte. Einiges hat man davon vielleicht schon getan, sei es der erste Vollsuff, Zusammenziehen mit Freunden oder der Versuch, Döner Kebab einmal komplett selber zu machen. Bevor jetzt irgendjemand "Challenge Accepted" brüllt, möchte ich erwähnen, dass einer meiner Vorgesetzten bei der Bundeswehr, Oberfeldwebel P**is (Datenschutz wird wie immer großgeschrieben, aber er hieß wirklich so), davon sprach, dass es einige Dinge im Leben eines jeden Mannes gäbe, die man mal gemacht haben müsse. Naja, ich kann mich nur noch daran erinnern, dass Analverkehr -ja ausgerechnet OFw P**is muss das vorschlagen- auch dabei war und das wollen wir nun ja mal wirklich nicht zur Challenge anregen, geschweige denn hier nachprüfen. Also Freunde, behaltet eure persönlichen Listen, egal ob da nun Asiatinnen, Negerinnen oder "nur" Models draufstehen, bitte für euch. Auch die "Murtaugh"-Liste, wie sie bei HIMYM vorgeschlagen wurde, taugt nur zum Teil, schließlich ist ihr Kernanliegen vor allem, zu beweisen, dass man für das meiste doch noch nicht zu alt ist. Wir, als Vorreiter der "Forever Young"-Generation müssen uns darum ja wirklich nicht scheren.
 Obwohl Pfiffy und ich vor allem noch den Plan hegen, mindestens einen Turm der Elisabethkirch in Marburg zu erklimmen, will ich anregen, an dieser Stelle die Liste auf das Thema "Drogen, die ich mal nehmen muss" zu beschränken. Sofern jedes Blogmit-glied für sich persönlich einverstanden ist, verschiedene der aufgeführten Substanzen zumindest einmal zu nehmen, ergäbe sich eine Matrix zur Bewertung und zum Abhaken. Da es sich schließlich um sensible Daten handelt und es bereits so ist, dass dank Benni die meisten Besuche unseres Blogs von extern auf einen dubiosen Bezugstipp für irgendwelche Chemo-Drogen zurückgehen, habe ich jene mal im folgenden ausgelagert:

Eine Liste für den Spaß

Heute abend möchte ich das gerne mal mit euch erörtern.

Samstag, 25. Januar 2014

Die Wurstmafia

Ich befinde mich seit etwa zwei Wochen auf einer Mission, ich nenne sie "Projekt U80". Alles begann beim duschen nach einem Beachvolleyball Training. Ein Mitspieler guckte mich von der Seite an und kommentierte: "Ich sehe du hast dir auch einen Neujahrsbauch zugelegt". Wieder zu Hause holte ich die Waage aus dem Schrank und die bestätigte, die 80 kg die ich immer angebe wenn ich nach meinem Gewicht gefragt werde, sind nicht mehr wahrheitsgemäß. Projekt U(nter)80 war geboren. Um das ganze systematisch anzugehen googelte ich meinen Kallorienbedarf (2800 kcal) den Brennwert von Körperfett (7000 kcal) und den Brennwert von allen möglichen Lebensmitteln die ich gerne esse.
In den Serverschränken von Google haben diese Anfragen anscheinend mein vorhandenes Profil nachhaltig verändert. Aus "gebildet, gut aussehend, abenteuerlustig, Großstädter, drogenaffin" wurde "dicker looser". Hatte Google mir bisher Werbung wie:

  Handgemachte Lederschuhe - Für den Mann der schon alles hat
Luxusresort auf den Malediven - Wenn der Preis keine Rolle spielt
Rolex - Zeitlose Luxusuhren

präsentiert, änderte sich das schlaghaft:


Ich bin nun wohl zu zwei Drittel fett und zu einem Drittel einsam. Zum Glück gibt es ja für jeden ein entsprechendes Internetangebot, worauf mich google zum Glück ja auch gleich aufmerksam macht:




Mein neues Profil wurde wohl auch an die international operierende Wurstmafia weitergeleitet. 
Als diese auch noch erfuhren, dass ich mich gerade über kalorienarmes Essen informiere, wurden sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet. Seitdem werde ich überall von Wurstwerbung überschüttet:




Sogar besonders perfide Methoden wie das Verknüpfen mit Bier werden angewandt. Alles nur damit ich der Wurst treu bleibe.



Es ist mir ein absolutes Rätsel wie die Wurstmafia es geschafft hat, aber sie sind sogar in meinen Fernseher:


Wer kann schon dem 1,6 Kilogramm-Mett-Kombiangebot (0,8 kg grob und 0,8 kg fein) widerstehen?

Ich werde den restlichen Tag wohl damit verbringen mir mein altes Leben zurück zu ergoogeln. Dazu gibt es Wurstersatz aus Tofu - Suck on that, Wurstmafia!  



Dienstag, 14. Januar 2014

Sturmfrei

Man lasse sich das Wort auf der Zunge zergehen. Was hat nicht allein der Klang dieses Begriffes früher für Glücksgefühle ausgelöst! Sturmfrei - das hieß schnell Einkaufen fahren, Bier, Chips und irgendwas womit man die Mädels dicht bekommt. Wer denkt nicht an American Pie, Project X, Superbad. An ungewohnte Freiheit, an das Gefühl, behütet zu sein und doch einmal Fünfe gerade sein zu lassen. Und daran, ob nicht die Hübsche aus der Parallelklasse vorbeikommt. War man selber nicht der Glückliche, Hotel Mama einmal ohne Personal zu erleben, war es vielleicht ein Kollege, auch wenn die Eltern nur einen Tag für eine Kurzreise weg waren, gleiche Prozedur, Einkaufen, Bier, Chips, Grill, gute Laune, jemanden mit iPod und schon konnte man sicher sein, dass Axel in die Büsche bricht.

Auch wenn diese Zeiten vorbei sind, der Papst längst aus den Büschen verschwunden ist (aber doch ab und an seinen päpstlichen "Segen" spendet) und wir nicht mehr auf Glücksereignisse warten müssen, die unsere Zehlendorfer Elternhäuser zur Partyzone verwandelten, bei denen übrigens immer einige schöne Stories für die nächsten Wochen Palawer vor dem Schulportal herauskamen, der schöne Klang von "Sturmfrei" löst immer noch einiges in uns aus.

Als ZuBu letzte Woche via Whatsapp bekannt gab ("Ich sage nur drei Worte"), er habe sturmfrei, ließ die begeisterte Reaktion seiner Jünger nicht lange auf sich warten. Dass er mittlerweile in seiner eigenen Dachgeschosswohnung lebt, mit seinem von ihm auserwählten Fräulein, sein eigenes Geld hat - plötzlich war es vergessen. Die drei Musketiere waren wieder Jugendliche und eine sturmfreie Zeit hat man damals niemals ungenutzt gelassen.
Nachdem man noch gemeinsam sportlich gewesen war, ein Weißbier gekippt hatte, war es an der Zeit, im ZuBuZentrum unsportlich zu werden. 36 Stunden hartes Gammeln. Wie früher. Nur die Mädels fehlten noch. Aber eins nach dem anderen.
Da wir früher, zu Schulzeiten, nie gemeinsam abgehangen haben, schlicht und einfach, weil wir drei uns noch gar nicht kannten (ZuBu und Ben* aber schon), fehlten allerdings die üblichen Uralttraditionen, die Männerrunden meistens so haben: Mariokart, Netzwerkparty, Playstation und der Genuss von Fusel oder vergleichbaren. Das war positiv. So konnte man sich gleich dem Grillen (9. Januar!) und Saufen von leckeren Getränken zuwenden. Das taten wir. Im Fernsehen schauten wir anschließend, wie die Party abgelaufen wäre, hätten wir das ganze auf Crackslist gepostet (Project X). Ein Joint hatte solch einen überflüssigen Elan zum Glück verhindert.
Dank Ben*s optimaler Vorbereitung mit mehreren Kilo Fleisch und Kohle musste insgesamt eigentlich nur stetig für den Bierfluss eingekauft werden. Der Verkäufer des Spätkaufes an der Karl-Marx-Str. erlebte mich dafür zweimal: In der Nacht mit Fahne Bier kaufend, am nächsten Morgen mit noch schlimmerer Fahne Bier kaufend. An diesem Abend allerdings gingen wir dann das notwendige Bier mit echt schlimmer Fahne woanders kaufen - langsam wurde das ja echt peinlich.
Kaum hatte der zweite Tag mit Schnaps begonnen, war es Zeit mal etwas Produktives zu veranstalten. Also nahmen wir Pilze. Die schmeckten zwar richtig widerlich, dafür nahm Ben* einen roten Kopfhörer auch als wirklich sehr rot war. Toll. Ansonsten hielten sich die Wirkungen sehr in Grenzen.

Unerwartete Gelegenheit
Zum Glück ist wenigstens auf Alkohol Verlass. Nachdem ZuBu und ich einen Abstecher in einen Berliner U-Bahn-Schacht gemacht hatten, der echt spannend war, weil ein Zug vorbeirauschte, konnte man dann auch endlich sagen, dass ich einen Zustand erreicht hatte, wie er für eine Sturmfrei-Party angemessen ist. Pfiffy gestand, dass er aufgrund der angeblich permanenten Gefahr von Weegees keine Stringtangas mehr trage und er eine "übelst gute Männernutte" wäre, während Benni uns das Steak briet. Als die Gäste kamen, war der Weihnachtsbaum illuminiert und ich gut dicht, so dicht, dass alle Versuche des Abends mit unserem polnischen Gast einige Sätze auf Englisch zu wechseln nicht immer im Desaster, doch zumindest in allgemeiner Erheiterung endeten.

Als ich am nächsten Morgen den Ort des Geschehens verließ, freute sich eigentlich nur meine Leber, dass Sturmfreiparties noch nie ein Zustand von Dauer gewesen waren. Sturmfrei hat seinen Klang mehr als nur behalten. Es wird wieder passieren und das Schöne heutzutage ist, dass wir es nun selber in der Hand haben.